20/08/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Kleinlützel

Polit. Gem. SO, Bez. Thierstein. Solothurn. Exklave an der Lützeltalstrasse (Laufen-Pruntrut) mit den Weilern Ober- und Nieder-Huggerwald und Ring sowie dem ehem. Frauenkloster Klösterli. 1194 Luozela, 1207 de Minori Luzela, 1288 Kleinen Lützel (Vidimus von 1488), franz. früher Petit-Lucelle. 1798 852 Einw.; 1850 1'042; 1900 868; 1950 1'219; 2000 1'243. Neolith. Funde in der Höhle Blauenstein, röm. Funde, am Mühlrain frühma. Gräber. Die nördlich des Dorfes gelegene Burg Blauenstein war Sitz der Herren von Biederthal-Blauenstein. Die Rechte der 1411 zerstörten Burg gingen an die Küng von Tegernau, der Burgstall und K. wurden 1502 an Solothurn verkauft. 1522-27 unterstand K. dem Bischof von Basel, danach bis 1798 der Vogtei und dem Gericht Thierstein. In der Reformationszeit war K. vorübergehend dem neuen Glauben zugewandt. Die alte Mauritiuskirche dürfte eine frühe Stiftung gewesen sein. Ab 1635 war Solothurn Kollator, wobei die Seelsorge dem Pfarrer von Breitenbach oblag. 1641-46 war die Pfarrei dem Kloster Lützel inkorporiert, nachher war Solothurn wieder Kollator. 1924 erfolgte der Neubau der Kirche an anderer Stelle. Die Kapelle zu den Vierzehn Nothelfern in Ober-Huggerwald wurde 1746 erbaut und 1887 erneuert.

1207 wird die ecclesia beate Marie de Minori Luzela im Gebiet des heutigen Klösterlis zum ersten Mal erwähnt. Da die Kirche Patronatsrechte von Roggenburg und Movelier erhielt, muss es sich bereits um eine klösterl. Gemeinschaft, vermutlich einen Frauenkonvent, gehandelt haben; die Ordenszugehörigkeit entzieht sich unserer Kenntnis. Das Kloster wurde 1253 demjenigen von Beinwil unterstellt, 1264 - jetzt als Männergemeinschaft fassbar - wegen Armut mit dem Augustiner Chorherrenstift St. Leonhard in Basel vereinigt und 1486 wieder in ein Frauenkloster umgewandelt. 1505 erfolgte die Vereinigung mit dem Zisterzienserkloster Lützel. 1525 wurde das Kloster zerstört, jedoch in der Folge wieder aufgebaut. Die Ende des 16. Jh. erneuerte Kapelle wurde 1777 vom Kloster Lützel aufgegeben. Nach der Revolutionszeit wurde diese St.-Josephs-Kapelle wieder in kirchl. Gebrauch genommen. Diese und ein Ökonomiegebäude erinnern heute an das einstige Kloster.

Bohnerzvorkommnisse erlaubten 1682, die Eisenschmelze von Erschwil nach K. zu verlegen. 1795 brannte das Dorf nieder. 1813 wurde eine Hammerschmiede errichtet, 1830 eine Nagel- und Werkzeugfabrikation. Am Bach siedelte sich Gewerbe an, u.a. eine Sägerei, Ziegelei und Mühle; im Übrigen war K. landwirtschaftlich geprägt. Um 1880 wurde eine Seidenweberei eröffnet, 1892 eine Schloss- und Beschlägefabrik, 1893 eine Tabakpfeifen- und 1900 eine Stockfabrik. Zwischen 1819 und 1852 wanderten 10% der Bevölkerung K.s aus. Bis heute dominiert in K. das Gewerbe und die Kleinindustrie. Die Nähe zur ländlich geprägten schweiz. und franz. Nachbarregion verhinderte eine grössere wirtschaftl. und soziale Entwicklung der Gemeinde.


Literatur
Kdm SO 3, 1957, 238-248
– J. Brunner, K., 1972
HS III/3, 518 f., 764-767; IV/2, 96-101
– R.M. Kully, Solothurn. Ortsnamen, 2003, 417-421

Autorin/Autor: Lukas Schenker