No 12

Gessner, Salomon

geboren 1.4.1730 Zürich, gestorben 2.3.1788 Zürich, ref., von Zürich. Sohn des Hans Conrad, Buchdruckers und Verlegers, und der Esther Hirzel. ∞ Judith Heidegger, Tochter des Heinrich, Zunftmeisters und Kunstsammlers. Nach einer abgebrochenen Lehre als Buchhändler 1749-50 in Berlin lebte G. als Verleger in Zürich. Bis 1760 und 1772-79 redigierte er im Geschäft des Vaters, das er 1775 übernommen hatte, die "Montags-Zeitung". 1780 begründete er die "Zürcher Zeitung" (seit 1821 NZZ). Ab 1761 war er Teilhaber von Orell, Gessner & Co. (1770-1798 Orell, Gessner, Füssli & Co.), dem bedeutendsten Verlag der Aufklärung in der Schweiz. 1765 wurde G. als Zwölfer der Zunft zur Meisen Mitglied des Gr. und 1767 des Kl. Rats. 1768-77 amtierte er als Obervogt in Erlenbach, danach der Vier Wachten und in Wipkingen, 1781 wurde er Sihlherr (Verwalter des Sihlwalds). Ausserdem war er ab 1758 Vorstandsmitglied der Stadtbibliothek, 1763 Teilhaber und künstler. Leiter der Zürcher Porzellanmanufaktur bei Kilchberg und 1772 Mitkurator der Kunstschule. 1760 gehörte G. zu den Mitbegründern der Helvet. Gesellschaft.

G.s europ. Bedeutung beruht auf seiner bahnbrechenden Ausstrahlung als Dichter und Maler von Idyllen. Seine rhythmisch bewegte lyrische Prosa erneuerte in ihrer Weltoffenheit die Sprache des Barock. Unter den Dichtungen, die alle in der eigenen Firma teilweise in Antiqua gedruckt wurden, ragen als Hauptwerk die 1756-72 publizierten 52 Idyllen hervor. Als Maler illustrierte G. mit zahlreichen Radierungen eigene und fremde Werke seines Verlags. Er malte über hundert arkad. Ideallandschaften und zeichnete ca. 600 Naturstudien. Diese Arbeiten weisen ihn aus als bedeutenden Buchgestalter und stilsicheren Maler, der dem Traum der beseelten Natur gekonnt Ausdruck verlieh.


Werke
Sämtl. Schr. (in drei Bde.), hg. von M. Bircher, 3 Bde., 1972-74
Idyllen, hg. von E.T. Voss, 31988
Literatur
– E.T. Voss, «Salomon G.», in Dt. Dichter des 18. Jh., hg. von B. von Wiese, 1977, 249-275
– M. Bircher, B. Weber, Salomon G., 1982
Grosse Schweizer und Schweizerinnen, hg. von E. Jaeckle, E. Stäuble, 1990, 190-194
BLSK, 392 f.
– M. Pirro, Anime floreali e utopia regressiva, 2003

Autorin/Autor: Bruno Weber