Büsserach

Polit. Gem. SO, Bez. Thierstein. Dorf am Abhang östl. der Talstrasse zum Passwang, mit der Burg Neu-Thierstein. 1194 Buezherach. 1739 364 Einw.; 1798 452; 1850 670; 1900 654; 1930 897; 1950 1'162; 1990 1'646; 2000 1'865.

In der Thiersteinhöhle wurden paläolith. Spuren (Magdalénien) entdeckt. Aus röm. Zeit stammt ein Münzfund. Der Name ist vermutlich keltorom. Ursprungs. Unter der Pfarrkirche wurden 1951 frühma. Gräber gefunden. 1194 verfügte das Kloster Beinwil über Allodialbesitz. 1295 verkaufte der thierstein. Vasall Berchtold von Pfeffingen dem Kloster seine Vogtei über die Klostergüter. Im Gefolge des Alten Zürichkriegs (St. Jakob an der Birs) überfiel die österr. Seite unter Peter von Mörsberg 1445 das Dorf. Nach dem Aussterben der Gf. von Thierstein gelangte B. 1522 an Solothurn. Auf Neu-Thierstein residierte danach bis 1798 der solothurn. Landvogt. Die Pfarrkirche St. Peter gehörte 1302 samt Patronatsrecht dem Kloster Beinwil. Während der Reformationszeit blieb B. beim alten Glauben. Die Pfarrei umfasste 1531-1822 auch Erschwil, 1645-1960 betreuten sie Mönche von Beinwil-Mariastein. Der bestehende Kirchturm wurde 1464 erbaut, die 1759 neu errichtete Kirche 1951 abgebrochen, der Neubau 1953 geweiht.

Bis ins 19. Jh. dominierten Ackerbau und Viehhaltung. 1796 erfolgte die Umstellung von der Beweidung auf die Einsaat der Brache. 1766 wurde nach Steinkohle gegraben. In der Helvetik war B. kurz Verwaltungssitz des Distrikts B., der die ehemaligen Vogteien Dorneck, Thierstein und Gilgenberg umfasste. Anfang des 19. Jh. entstanden Hauswebereien für Basler Verlagsherren (Leinen, 1830 über 50 Webstühle), daneben eine Gips- und Getreidemühle sowie eine Ziegelhütte. 1861-1932 bestand eine Seidenzwirnerei. Erst im 20. Jh. entwickelten sich grössere Industriebetriebe (Eisenwaren, Stahlbau, Modellbau). Mit dem starken Anstieg von Wegpendlern Ende des 20. Jh. macht sich ein Wandel zum Wohndorf bemerkbar.


Literatur
Kdm SO 3, 1957, 187-202
800 Jahre B., 1194-1994, 1994
– R.M. Kully, Solothurn. Ortsnamen, 2003, 238-240

Autorin/Autor: Lukas Schenker