Ekkehard IV.

geboren Ende 10. Jh., gestorben 21.10., nach 1056 St. Gallen. E. trat in jungen Jahren in das Kloster St. Gallen ein; er war Schüler Notkers des Deutschen, später selber Lehrer daselbst. Unter Ebf. Aribo (1021-31) wirkte er eine Zeit lang an der Domschule in Mainz. Aus seiner ersten, bis gegen 1025 reichenden Schaffenszeit stammt -- von dichter. Schulübungen abgesehen -- eine Sammlung zweizeiliger Tituli (Bildlegenden in Versform) für einen geplanten Gemäldezyklus über das Leben des hl. Gallus. Daneben steht eine Gruppe von z.T. umfänglichen Tituli für Wandgemälde im vorgesehenen Neubau des Mainzer Doms. Zwei Zyklen sind mit "Benedictiones ..." überschrieben: Die "Benedictiones ad mensas" stellen eine Folge einzeiliger Segenssprüche für Speisen und Getränke dar und sind der Katalogdichtung beizurechnen. Die "Benedictiones super lectores per circulum anni" sind eine Sammlung von 59 Gedichten; darunter finden sich Texte auf die einzelnen Festtage im Jahreskreis, jedoch auch solche über Themen aus dem Bereich von Schule und Wissenschaft. Zu diesen Zyklen tritt nebst anderem seine in drei Fassungen vorliegende lat. Nachdichtung von Ratperts althochdt. Galluslied. Erwähnt seien ferner die zahlreichen Spuren seines gelehrten Fleisses in den sankt-gall. Handschriften. Nach 1035 arbeitete E. an seinen "Casus sancti Galli": Die an das gleichnamige Werk Ratperts anschliessende Klostergeschichte für die Zeit nach etwa 870 ist eine lebendige und packende, von psycholog. Spürsinn geprägte - historisch allerdings nicht immer ganz zuverlässige - Darstellung von hoher literar. Qualität. Bis 972 reichend, ist sie unvollendet geblieben.


Literatur
LexMA 3, 1767 f.
LThK 3, 567

Autorin/Autor: Peter Stotz