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Breitenbach

Polit. Gem. SO, Bez. Thierstein, Bezirkshauptort, Sitz des Oberamtes Dorneck-Thierstein. Dorf an der Passwangstrasse und am Zugang zum Gilgenbergerland, mit dem früheren Pfarrzentrum Rohr. 1152 Breitenbach. 1739 363 Einw.; 1798 486; 1850 624; 1900 590; 1950 1'384; 2000 3'260.

Zeugnisse aus Bronze- und Latènezeit. Drei röm. Bauwerke, Spuren röm. Landvermessung. (Früh?)ma. Wehranlage in den Moosgräben. 1152 ist Allodialbesitz des Klosters Beinwil bezeugt, das hier später einen Dinghof besass, von dem aus es seine Güter zwischen Aare und Rhein verwaltete. Vögte waren ab ca. 1200 die Gf. von Thierstein, deren Rechte im 15. Jh. mehrmals verpfändet wurden. Auch das Basler Domstift hatte in B. einen Dinghof, im 14. Jh. Lehen der Herren von Neuenstein. Nach Aussterben der Thiersteiner gelangte B. 1522 endgültig an Solothurn, das 1529 den Loskauf von der Leibeigenschaft zugestand. In der Reformationszeit blieb B. beim alten Glauben. Das Dorf wurde während des Dreissigjährigen Krieges mehrmals von den Schweden heimgesucht. Im Bauernkrieg 1653 war B. ein Hauptherd des Aufruhrs gegen die Solothurner Obrigkeit. Die St.-Margaretha-Kirche (1292 erw.) stand ursprünglich in Rohr. 1688-1957 betreuten Mönche von Beinwil-Mariastein die Pfarrei, zu welcher das 1789 politisch abgetrennte Fehren weiterhin gehört. Die 1845 im Dorf neu erbaute Kirche wich 1964 einem modernen Betonbau.

Das kleinbäuerlich geprägte Dorf besass je eine Sägerei, Gerberei und Färberei, die um 1850 eingingen. In dieser Zeit häuften sich Auswanderungen nach Amerika. Zwischen 1860 und 1885 entstanden vier Holzdrechslereien, die Spulen u.a. für die Basler Seidenfabriken herstellten. Hinzu kam die Posamenterei (3-4 Stühle). Seit 1882 besteht eine Uhrenindustrie, 1903 wurden die Schweiz. Isola-Werke (Isolationen, Kabel, heute Teil der Alcatel), 1904 die Brac AG gegründet, 1910 eine Bandfabrik. Viele Arbeiter waren anfänglich nebenberuflich Bauern. 1990 arbeiteten 75% der in B. Erwerbstätigen im 2., 23% im 3. Sektor. 1858 wurde die Bezirksschule, 1929 das Bezirksspital Thierstein und das Altersheim Dorneck-Thierstein eingeweiht.


Literatur
– E. Baumann, B., 1950
Kdm SO 3, 1957, 178-186
B.: Ein Bildband zur Kultur und Geschichte, 2002
– R.M. Kully, Solothurn. Ortsnamen, 2003, 219-222

Autorin/Autor: Lukas Schenker