17/10/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 1

Dürrenmatt, Friedrich

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geboren 5.1.1921 Konolfingen,gestorben 14.12.1990 Neuenburg, ref., von Guggisberg. Sohn des Reinhold, Pfarrers in Konolfingen und ab 1935 in Bern, und der Hulda geb. Zimmermann. Enkel des Ulrich ( -> 4), Cousin des Peter ( -> 3), Neffe des Hugo ( -> 2). ∞ 1) Lotti Geissler, Schauspielerin, 2) Charlotte Kerr, Schauspielerin und Filmregisseurin.

Nach der Matura 1941 studierte D. in Bern und Zürich dt. Literatur und Philosophie, brach aber das Studium 1946 ab und entschied sich für den Schriftstellerberuf. Er lebte von 1952 bis zu seinem Tod in Neuenburg. Zunächst verdiente D. den Lebensunterhalt für seine Familie v.a. mit Theaterkritiken, Hörspielen und Kriminalromanen (publiziert im "Schweiz. Beobachter"). Nachdem bereits sein erstes Stück, "Es steht geschrieben", 1947 in Zürich einen Theaterskandal provoziert hatte, gelang D. 1952 mit "Die Ehe des Herrn Mississippi" in Deutschland der Durchbruch als Dramatiker. "Der Besuch der alten Dame" (1956) machte ihn weltbekannt; die trag. Komödie gehört mit "Die Physiker" (1962) zu den meistgespielten deutschsprachigen Theaterstücken überhaupt. Ab Ende der 1960er Jahre häuften sich die Misserfolge D.s mit neuen Komödien, die er z.T. selbst inszenierte - D. war 1968-69 Direktionsmitglied der Basler Theater - und er wandte sich vermehrt einer philosophisch reflektierten, teilweise autobiograf. Prosa zu, in deren Zentrum die Bände "Stoffe I-III" (1981, Neuauflage 1990 mit dem Titel "Labyrinth") und "Turmbau : Stoffe IV-IX" (1990) stehen.

D. wurde vielfach geehrt, u.a. 1960 mit dem Grossen Preis der Schweiz. Schillerstiftung, 1984 mit dem Österr. Staatspreis für europ. Literatur und 1986 mit dem Georg-Büchner-Preis. Seine modellhaften, grotesken Komödien stellen die Frage nach Freiheit und Schuld des Einzelnen in einer unübersichtl. Welt anonymer Machtsysteme; immer wieder umstritten, werden sie heute zu den wichtigsten Stücken des deutschsprachigen Theaters der 2. Hälfte des 20. Jh. gezählt. Die das Genre innovativ in Frage stellenden Kriminalromane erzielen Millionenauflagen und gehören zum Lektürekanon der deutschsprachigen Mittelschulen. Ab den 1960er Jahren betätigte sich D. auch als unabhängiger zeitkrit. Kommentator, 1969-71 war er Mitherausgeber der Wochenzeitung "SonntagsJournal". Neben der pamphletist. Auseinandersetzung mit der Schweiz (z.B. Rede für Václav Havel, 1990) sorgte v.a. sein Engagement für den Staat Israel für Aufsehen. D. hat sein Leben lang auch gezeichnet und gemalt, jedoch weitgehend auf die Veröffentlichung der Bilder verzichtet. Ausgestellt wird das Bildwerk nun in Neuenburg im Centre Dürrenmatt, das im Sept. 2000 eröffnet worden ist.


Werke
Werkausg., 38 Bde., 1980-1998
GW, 7 Bde., 1996
Archive
– SLA, Nachlass und Dok.
– Centre Dürrenmatt, Neuenburg (Bildwerk, Bibliothek)
Literatur
Friedrich D., Ausstellungskat. Neuenburg, 1985
– L. Tantow, Friedrich D., 1992
– G.P. Knapp, Friedrich D., 21993
Friedrich D., Schriftsteller und Maler, Ausstellungskat. Bern, 1994
– U. Weber, Sich selbst zum Stoff werden, 1999

Autorin/Autor: Ulrich Weber