Synoden

Unter Synode versteht man eine Versammlung von Kirchenvertretern, die gemeinsam über die Leitung einer Kirche bestimmen. In der Antike bedeutete der griech. Ausdruck synodos eine Zusammenkunft von Personen; ab dem 2. Jh. wurden Versammlungen von Christen S. genannt. Ab dem 4. Jh. sind Synode und dessen lat. Entsprechung concilium (Konzilien) Synonyme.

Im MA erlangten S. und Konzilien in versch. Ausprägungen, als National- oder Diözesan-S., wachsende jurist. Bedeutung. Sie boten ein Modell kirchl. Lebens an, das sich vom Zentralismus am päpstl. Hof abhob. Ab dem 11. Jh. setzte sich in der Westkirche die zentralisierte Form durch, während die Ostkirche weiterhin die Synodalform bevorzugte (S. der orthodoxen Kirchen). Im SpätMA spitzte sich der Konflikt im Westen wieder zu, weil einige Theologen der Synode die geistl. Oberhoheit über die Kirche zusprechen wollten. Zwar verkündete das Konzil von Konstanz (1414-18) seine Oberherrschaft über den Papst, doch erklärte Pius II. 1460 den Konziliarismus als häretisch.

Die Reformation übertrug die kirchl. Entscheidungsgewalt zumeist der weltl. Territorialherrschaft, um so nach der Aufhebung von Episkopat und Pontifikat das institutionelle Vakuum zu füllen. In Bern und Zürich z.B. übten die Pfarrersynoden nur einen beschränkten Einfluss aus, wie u.a. der Berner Synodus von 1532 zeigte. Konnte diese Macht von der polit. Obrigkeit nicht ausgeübt werden, trat die Pfarrerversammlung an deren Stelle. So fungierte in Neuenburg z.B. die Zusammenkunft des Kapitels als Synode. Sie vereinigte ausschliesslich die Mitglieder der Pfarrerschaft und einige Schulmeister. Zudem wurde die Lehrhoheit einiger ausserordentlich einberufener internat. S., wie z.B. der Dordrechter Synode 1618-19, anerkannt.

Nach den liberal-radikalen Revolutionen des 19. Jh. ging die Hoheit der ref. Kirchen der Schweiz auf die Synode über, z.B. in Bern mit dem Gesetz über die Organisation der evang.-ref. Kirchensynode von 1852 oder in Neuenburg mit dem Kirchengesetz von 1848. Diese vereinigte demokratisch gewählte Vertreter. Die zuständige polit. Behörde garantiert deren Legitimität und überwacht die Ausführung der Geschäfte, ausser bei den Freikirchen und unabhängigen kirchl. Gemeinschaften, die sich meist ebenfalls in S. organisieren. Die Synode als Legislative wählt den aus Laien und Pfarrern zusammengesetzten Synodalrat (Exekutive). Anfang des 21. Jh. vereinigte der Schweizerische Evangelische Kirchenbund 24 Kirchen mit einer Abgeordnetenversammlung in Synodalform als oberstem Organ.

In der kath. Kirche zeigte sich die Tendenz zur Synode zwar deutlich am Konzil von Trient (1545-1563), doch spielten S. von da an nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie dienten nicht der Beschlussfassung, sondern vielmehr der Beratung und Durchsetzung der päpstl. oder konziliar. Weisungen, sei es landesweit oder auf Bistumsebene. Dies war z.B. an den Konstanzer Synoden 1567 und 1609 oder 1581 an derjenigen von Delsberg der Fall. Im Gefolge des 2. Vatikan. Konzils stiess jedoch die interdiözesane schweiz. Synode von 1972 (Synode 72) auf breite Resonanz. Zudem änderte die Schweizer Bischofskonferenz im Geist des Konzils 1967 ihre Statuten (2001 Revision). 1983 wurde schliesslich das kanon. Recht dahingehend erneuert, dass fortan auch Laien als vollwertige Mitglieder von Synodalversammlungen galten. In mehreren Kantonen (u.a. Bern, Zürich, Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn) existieren eine Synode sowie ein Synodalrat.

Ihrer Verfassung gemäss kennt die christkath. Kirche die Institution einer Landessynode. Dort beraten und entscheiden Geistliche und mehrheitlich Laien zusammen mit dem Bischof über die Kirchenangelegenheiten. Der Bischof ist Mitglied der Internat. Altkatholischen Bischofskonferenz, ebenfalls ein Organ in Synodalform.


Literatur
– R. Pfister, Kirchengesch. der Schweiz, 3 Bde., 1964-84
– H.J. Sieben, Vom Apostelkonzil zum Ersten Vatikanum, 1996
– G. Hammann, «"Synode" et "synodalité"», in Positions luthériennes 46, 1998, 131-155
TRE 32, 559-584
Encyclopédie du protestantisme, hg. von P. Gisel, 22006, 1379 f.

Autorin/Autor: Pierre-Olivier Léchot / MD