• <b>Ablasswesen</b><br>Memorialtafel mit dem Ablassbrief des Weihbischofs von Konstanz, aus der Schlosskapelle Wyher in Ettiswil, 1593 (Schweizerisches Nationalmuseum, LM-21219). Der Pergamentbrief erklärt den Gläubigen in der Schlosskapelle den vierzigtägigen Ablass. Am Ende des Textes findet sich das Allianzwappen des Stifterpaars Ludwig Pfyffer von Altishofen und Elisabeth von Sonnenberg, flankiert von den Namenspatronen heiliger Ludwig und heilige Elisabeth.

Ablasswesen

Der Ablass als teilweiser oder vollkommener zeitl. Nachlass der Buss- und Sündenstrafen ist eine Neubildung in der abendländ. Kirche des MA. Entstanden im 11. Jh. mit dem Vordringen der privaten Busse, belebt durch die Kreuzzüge und das Pilgerwesen, erhielt der Ablass in der Hochscholastik (Scholastik) des 13. Jh. mit der Lehre vom unerschöpfl. Gnadenschatz der Kirche seine theoret. Grundlage. Die von Bischöfen, Kardinälen und dem Papst ausgestellten Ablassbriefe enthielten zunächst zeitlich begrenzte Indulgenzen. Grosse quantitative Vermehrung brachten im SpätMA der Plenarablass für Rompilger im Jubeljahr 1300 und anlässlich der folgenden Jubiläen sowie vom 14. Jh. an die Möglichkeit, die durch den Ablass zu gewinnenden Gnaden Verstorbenen zuzuwenden: Der Ablass wurde zum beliebten Instrument der Heilssicherung. Gläubige erwarben Beichtbriefe, Wallfahrts-, Kloster- und Pfarrkirchen einen Schatz von Ablassbriefen (z.B. ca. 120 für die Innerschweiz bis 1450). Die Einnahmen dienten zur Finanzierung kirchl. Werke aller Art, den Gem. auch für den Bau und Unterhalt ihrer Kirchen ("Romfahrt" in Bern mit Plenarablass ab 1478). Einen Höhepunkt erreichte das A. mit dem Engelweihfest im Sept. 1466 in Einsiedeln (angeblich 130'000 Pilger). Kritik äusserten bereits Berthold von Regensburg, Dante Alighieri, John Wyclif, Jan Hus und die Waldenser. Die inflationäre Entwicklung sowie Missbräuche (Ablasspredigt Bernardin Sansons 1518-19 in der Schweiz) machten dann das A. zu einem Hauptthema reformator. Kritik (Huldrych Zwingli, Guillaume Farel, Niklaus Manuel [1484-1530]). Nach der Reform auf dem Konzil von Trient spielte das A. bis zur 1. Hälfte des 20. Jh. im kath. Frömmigkeitsleben eine grosse Rolle.

<b>Ablasswesen</b><br>Memorialtafel mit dem Ablassbrief des Weihbischofs von Konstanz, aus der Schlosskapelle Wyher in Ettiswil, 1593 (Schweizerisches Nationalmuseum, LM-21219).<BR/>Der Pergamentbrief erklärt den Gläubigen in der Schlosskapelle den vierzigtägigen Ablass. Am Ende des Textes findet sich das Allianzwappen des Stifterpaars Ludwig Pfyffer von Altishofen und Elisabeth von Sonnenberg, flankiert von den Namenspatronen heiliger Ludwig und heilige Elisabeth.<BR/>
Memorialtafel mit dem Ablassbrief des Weihbischofs von Konstanz, aus der Schlosskapelle Wyher in Ettiswil, 1593 (Schweizerisches Nationalmuseum, LM-21219).
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Literatur
TRE 1, 347-364
LexMA 1, 43-46
– K. Tremp-Utz, «Gottesdienst, A. und Predigt am Vinzenzstift in Bern (1484/85-1528)», in ZSK 80, 1986, 52-58
– E. Tremp, «Buchhaltung des Jenseits», in Gfr. 143, 1990, 131-142
LThK 1, 51-59

Autorin/Autor: Ernst Tremp