Wangen bei Olten

Polit. Gem. SO, Bez. Olten, zwischen Born und der vordern Jurakette gelegen, mit den Dorfteilen Gross- und Kleinwangen nördlich bzw. südlich der 1933-43 korrigierten Dünnern. 1226 Wangen. 1739 404 Einw.; 1798 554; 1829 803; 1850 908; 1900 1'362; 1950 2'437; 2000 4'579.

Im Gebiet Chalchofen an der Gemeindegrenze zu Olten wurde 6000-2000 v.Chr. weiträumig auch unter Tag Silex abgebaut. Die Klöster Schöntal und St. Urban sowie die Stiftskirche Zofingen besassen hier Grundbesitz. W. gehörte zur 1283 erw. Herrschaft Fridau in der Landgrafschaft Buchsgau. Letztere gelangte 1426 durch Kauf an Bern und Solothurn. Bei deren Teilung 1463 kam W. mit der Herrschaft Fridau ganz an Solothurn. Bis 1798 war das Dorf Teil des Niederen Amts der Vogtei Bechburg. Kirchlich gehörte W. mit Kappel zur Pfarrei Hägendorf und wurde 1610 selbstständige Pfarrei. Die 1302 erw. und 1625 neu erbaute Galluskirche wurde 1907 von August Hardegger als neurom. Basilika neu errichtet. Die im 16. Jh. gestiftete Fridolinskapelle in Kleinwangen wurde 1959 abgebrochen. 1900 entstand die Bethlehemskapelle und 1944 wurde die ref. Kirche eingeweiht. Die ref. Gemeinde bildet einen Pfarrkreis der Kirchgemeinde Olten. Nach einem Streit mit den Oltnern erhielt W. 1564 das Recht, Wasser aus der Dünnern auf ihre Matten zu leiten. Die Weber im Dorf (1837 16 Weber) arbeiteten vorwiegend für die Oltner Strumpfer, aber auch für Zürcher Verleger. Ab der 2. Hälfte des 19. Jh. geriet W. in den Sog des Oltner Industriegebiets und zog selbst Gewerbe an. Aus der 1859 von Urs Viktor Frey gegr. Schneiderwerkstätte ging 1909 die von seinem Sohn Arthur und dessen Nachfahren geleitete Arthur Frey AG hervor, die mehrere Fabrikationsstätten errichtete und ein eigenes Verkaufsnetz mit 37 Filialgeschäften in der ganzen Schweiz unterhielt. Nach der Einstellung der Fabrikation 1990 ging die Firma 1996 an die Charles Vögele AG über. 1962 entstand das Coop-Verteilzentrum, 1963 liess sich die Leisi Backwaren AG in W. nieder, die 1970 an die Ursina-Franck-Gruppe, 1971 an die Nestlé überging. Mit der 1876 eröffneten Gäubahn kam W. zu einer Bahnstation an der Linie Olten-Solothurn. Das Dorf ist durch die Kurse der 1933 gegr. Stadtomnibus AG Olten (heute Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG) mit den Dörfern im Mittelgäu und der Stadt Olten verbunden. Dank der Ansiedlung von immer neuen Gewerbe- und Industriebetrieben hatte W. bis zu Beginn des 21. Jh. nur einen leichten Überhang an Wegpendlern.


Literatur
– A. Pfefferli, Wangen im Buchsgau, 1975

Autorin/Autor: Hans Brunner