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Dominikaner

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Der kath. Predigerorden (lat. Ordo fratrum Praedicatorum, OP) der D. wird seit dem 15. Jh. nach seinem Ordensgründer Dominikus von Caleruega (1170-1221) benannt. Die D. haben sich zum Ziel gesetzt, das Evangelium zu verkünden. Von Anfang an gehörten den D.n neben Brüdern auch Moniales (in Klausur lebende Ordensfrauen) und Laienverbände an. Hauptsächlich ab dem 19. Jh. entstanden z.T. aus regulierten Laienverbänden dem Orden angegliederte Schwesternkongregationen, die aber strukturell von den D.n unabhängig sind. Das Ordenskleid besteht aus einer weissen Tunika mit Skapulier und Kapuze und einem schwarzen Mantel; die Schwestern tragen statt der Kapuze einen schwarzen Schleier. Dem nach Provinzen aufgegliederten Orden steht ein Ordensmeister vor.

Dominikus war ab ca. 1195 Kanoniker des Kathedralkapitels von Osma (Kastilien). Er entwickelte 1205 in der Languedoc zur Bekehrung der Katharer eine am Evangelium orientierte Missionsmethode, mit der Verpflichtung zur Wanderpredigt in Bettelarmut (Mönchtum). Das 1206/07 gegr. Frauenkloster von Prouille wurde Stützpunkt der losen Gruppe von Predigern. 1215 bildete Dominikus in Toulouse eine feste Predigergemeinschaft. Als Orden wurde sie Ende 1216 auf der Grundlage der Augustinusregel von Papst Honorius III. bestätigt, der ihr Anfang 1217 für die ganze Kirche den bis anhin den Bischöfen vorbehaltenen Predigtauftrag übertrug. Dadurch entstand parallel zur Struktur der Kirchgem. ein Seelsorgenetz, was zur Konkurrenz mit dem Weltklerus führte. Die in den Städten angesiedelten Konvente waren nicht nur Seelsorgezentren, sondern auch Theologenschulen, da eine fundierte Ausbildung Voraussetzung der Predigttätigkeit ist. Laienbrüder übernahmen die Sorge für Kloster und Unterhalt. Grundlegend für die 1220 erarbeitete Satzung war der ma. Korporationsgedanke. Die D. konstituierten sich als ortsunabhängigen Personenverband mit zentraler Leitung und wurden darin zum Vorbild für andere Bettelorden. Der Orden breitete sich bis zum Beginn des 14. Jh. rasch aus, erlangte wissenschaftl. Bedeutung und vergrösserte auch seinen kirchenpolit. Einfluss, als ihm 1232 die Inquisition übertragen wurde. Der Verlust der ursprüngl. Strenge leitete einen inneren Niedergang ein, dem im 15. Jh. die auf Observanz drängende Reformbewegung entgegen zu wirken versuchte. Die D. verlagerten ihr Schwergewicht bedingt durch die Reformation im 16. Jh. in die rom. Länder sowie auf die Mission in der neuen Welt und erlebten zu Beginn des 18. Jh. mit rund 25'000 Mitgliedern eine neue Blüte. Die Franz. Revolution und die Säkularisation reduzierten den Personalbestand auf einen Sechstel. Eine Wende brachte 1843 die Restauration der D. in Frankreich. Mit der Wiederbelebung des urspr. Wesens des Ordens fanden die D. im 20. Jh. zu einer neuen Vitalität, obwohl sich v.a. bei den Frauengemeinschaften seit dem 2. Vatikan. Konzil Nachwuchsprobleme abzeichneten.

1230 entstand in Zürich ein erster Predigerkonvent. Weitere Gründungen erfolgten in Basel (1233), Bern (1269), Chur (zwischen 1277 und 1280) und Zofingen (1286). Alle gehörten der Provinz Teutonia an. Durch die Provinz Francia wurden Konvente in Lausanne (1234), Genf (1263) und durch die holländ. Reformkongregation ein Konvent in Coppet (1490) errichtet. Die Provinz Lombardia superior hatte im 16. Jh. eine Niederlassung in Ascona (1510). Ihrem Auftrag entsprechend bildeten die D. Seelsorgezentren in den Städten, von wo aus das in Terminierbezirke aufgeteilte Hinterland betreut wurde. Wegen ihrer Offenheit für die Anliegen der religiösen Frauenbewegung suchten viele Beginenvereinigungen (Beginen und Begarden) und bereits bestehende oder neu entstandene Schwesterngemeinschaften die Betreuung durch die D. und den Anschluss an sie. Die unsichere Quellenlage und die bisweilen zwiespältige Haltung der D. zur Frauenseelsorge lassen den rechtl. Status dieser Gemeinschaften nicht immer mit Sicherheit bestimmen. Von 1245 bis zum Anfang des 14. Jh. wurden die Klöster von Oetenbach in Zürich, Töss, St. Katharinental bei Diessenhofen (alle 1245), Klingental in Basel (1246), Chissiez (vor 1303, ab 1316 in Estavayer), Schwyz (vor 1303), das Steinenkloster in Basel (1304) und Neuenkirch (vor 1361) in den Orden inkorporiert. Für Dominikanerinnenklöster in kleineren Städten wie Aarau, Wil (SG; Konvent der Sammlung), Winterthur oder in Städten, in denen bereits ein inkorporiertes Kloster existierte (z.B. St. Verena in Zürich), erfolgten keine Inkorporationen; ebenso wenig für die noch bestehenden Dominikanerinnenklöster im sankt-gall. Wil (1228 in St. Gallen gegründet und ab der Mitte des 13. Jh. mit den D.n verbunden, ab 1607 als Kloster St. Katharina in Wil und ab 1615 mit der Sammlung in Wil vereinigt), und Weesen (seit der Gründung 1256 mit den D.n verbunden). V.a. die Klöster Töss, Oetenbach und St. Katharinental pflegten im 14. Jh. durch das fruchtbare Zusammenwirken mit den D.n ein intensives geistl. Leben, beispielsweise im Austausch des Mystikers Heinrich Seuse und Elsbeth Stagels vom Kloster Töss. Dem inneren Niedergang in der 2. Hälfte des 14. Jh. vermochte die ordensinterne Reform, der sich die Konvente von Bern (1419) und Basel (1429) sowie die Frauenklöster Steinen in Basel (1423) und Bern (1439) anschlossen, kaum entgegen zu wirken. Der Jetzerhandelin Bern (1507-09) brachte die Reform in der Schweiz in Misskredit. Infolge der Reformation wurden alle Männerkonvente der D. in der Schweiz aufgelöst. Das Frauenkloster Neuenkirch wurde 1588 im Einverständnis mit Rom aufgehoben, die Neugründung In der Au bei Steinen von 1575 wurde bereits 1640 nach Schwyz transferiert. Es überlebten die Frauenklöster Estavayer, Schwyz, Weesen, Wil und das 1869 säkularisierte St. Katharinental.

Vom Kloster St. Peter in Bludenz aus erfolgte 1647 eine Neugründung im 1570 aufgehobenen Chorfrauenstift Cazis. 1894 schloss sich die 1867 vom Bündner Priester Johannes Fidelis Depuoz für soziale Bedürfnisse gegr. Ilanzer Schwesternkongregation (Gesellschaft von der göttl. Liebe) dem Predigerorden an. Zwischen 1893 und 1991 erfolgten in der Schweiz 14 weitere Gründungen durch acht versch. ausländ. Kongregationen, die v.a. im schul. und sozialen Bereich tätig sind. Mit der Gründung der Univ. Freiburg wurden 1890 D. als Professoren für die theol. und die philosoph. Fakultät nach Freiburg berufen. Unmittelbar dem Ordensgeneral unterstellt, führen sie im Albertinum ein gemeinschaftl. Leben, durften aber bis 1973 wegen der Ausnahmeartikel der Bundesverfassung nicht als Klostergemeinschaft in Erscheinung treten. Unter denselben Bedingungen fand 1903 ebenfalls in Freiburg eine Gruppe von aus Frankreich vertriebenen D.n Zuflucht. 1941 erhielt die Deutschschweiz in Luzern eine Niederlassung. Weitere Gründungen erfolgten in Genf (1951), Zürich (1959 und 1990) und Lugano (1999). 1953 wurde eine selbstständige Schweizer D.-Provinz errichtet. Mit der kanad. Provinz betreut sie seit 1965 das Missionsgebiet von Ruanda und Burundi. Neben der Arbeit in ordenseigenen Pfarreien (Genf, Zürich), an der Universität (Freiburg) und in der theol. Erwachsenenbildung sind die D. oft in enger Zusammenarbeit mit den Schwestern v.a. in der Pastoral- und Sozialarbeit tätig.

Ende 2003 zählte die Schweizer Provinz sechs Häuser und 52 Mitglieder, von denen acht im Ausland tätig sind. 14 D., die nicht der Schweizer Provinz angehören, leben im Albertinum in Freiburg. Aus der Provinz von Spanien wirken in der Seelsorge an ihren Landsleuten drei D. in Lausanne und Basel. Sechs weitere D. aus dem Ausland leben ausserhalb eines Konventes. Insgesamt 45 Schwestern zählen die drei Klöster der Moniales (Estavayer-le-Lac, Schwyz, Weesen) und 75 die beiden selbstständigen Schwesternklöster (Cazis, Wil). Die neun in der Schweiz tätigen Kongregationen haben 17 Niederlassungen mit 231 Schwestern. Dem Säkularinstitut gehören 23 und den acht Laiengemeinschaften etwa 180 Mitglieder an. Der Orden zählte weltweit 6'262 Brüder in 626 Niederlassungen, 3'606 Moniales in 237 Klöstern und 32'210 Schwestern, die 157 versch. Kongregationen angehörten.


Literatur
– W.A. Hinnebusch The History of the Dominican Order, 2 Bde., 1966-73 (mit Bibl.)
Dizionario degli istituti di perfezione 3, 1976, 780-793
Frauenklöster in der Schweiz, 1984
– G. Bedouelle, Dominikus: Von der Kraft des Wortes, 1984
– W. Ludin et al., Männerorden in der Schweiz, 21992
– A. Wilts, Beginen im Bodenseeraum, 1994 (mit Bibl.)
LThK 3, 31995, 309-318
HS IV/5; IX/2

Autorin/Autor: Franz Müller