• <b>Fehraltorf</b><br>Trabrennen in Fehraltorf, April 1982  © KEYSTONE. Seit 1934 strömen am Ostermontag zehntausende von Zuschauern nach Fehraltorf zu den Pferderennen, die im Zürcher Oberland die Wettkampfsaison eröffnen.

Fehraltorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Pfäffikon. Die Gem. umfasst das im oberen Kempttal gelegene F. und einen Teil des Weilers Mesikon. 1265-87 Rueggesaltorf und Altorf de Chiburg, um 1670 Rüeggis-Altdorff und Feer-Altdorff. 1467 ca. 190 Einw.; 1634 341; 1733 800; 1850 1'014; 1860 1'081; 1900 938; 1910 910; 1950 1'136; 1980 2'486; 2000 4'687. Funde aus der Spätbronze-, Hallstatt-, Latène- und Römerzeit weisen auf eine Siedlungskontinuität im Talgelände hin. Die alemann. Landnahme ist durch ein Gräberfeld im Ortskern und durch die Vergabung Mesikons an St. Gallen im Jahr 745 belegt. Wohl noch im 1. Jahrtausend wurde bei Rüti eine Fluchtburg mit drei Erdwällen angelegt. Hoch- und Niedergericht gelangten 1424 bzw. 1452 mit der Grafschaft Kyburg an Zürich, welches das Dorf dem Oberen Amt der Landvogtei Kyburg zuteilte. In F., das an der Kreuzung der Verbindungswege Zürich-St. Gallen und Rapperswil-Winterthur lag, befand sich bis 1798 eine Zollstelle (1524 erstmals erwähnt) und ein vom Kyburger Landvogt geleitetes Gericht, das mehrere Dörfer der Umgebung umfasste. Eine Offnung regelte 1474 die Rechtsverhältnisse in F., ein Einzugsbrief stammt aus dem Jahr 1599. 1644-45 wehrte sich die Bevölkerung gegen Kriegssteuern. Nachdem F. die revolutionären Bestrebungen mehrheitlich unterstützt hatte, wurde es 1798 Hauptort des gleichnamigen Distriktes. Als 1802 die Zehntabgaben wieder eingeführt wurden, leistete die Bevölkerung Widerstand. 1804 verweigerte sie wegen der hohen Zehntloskaufgebühren den Eid auf die neue Verfassung. 1803 wurde F. dem Bez. Uster, 1815 dem Oberamt Kyburg, 1831 dem Bez. Pfäffikon zugeteilt. Die 1275 erstmals erwähnte Kirche stammt aus dem 9. Jh.; Hauptpatronin war vermutlich Maria. Der Kirchensatz gehörte im frühen 14. Jh. den Herren von Hinwil, ab 1469 dem Kloster Rüti, ab 1524 Zürich.

Im vom Ackerbau geprägten F. kam die Baumwoll-Heimindustrie weniger stark auf als in umliegenden Gebieten, beschäftigte 1787 aber doch etwa einen Viertel der Bevölkerung. Die bescheidenen Ansätze zur Industrialisierung (Textilfabriken 1812 und 1834) wurden u.a. wegen geringer Wasserkräfte nicht ausgebaut. 1860-1929 bestanden eine Zündholzfabrik, im 20. Jh. eine Seidenzwirnerei, eine Fettwarenfabrik und zwei Schuhfabriken. Der Strassendorfcharakter F.s wurde 1834 durch den Ausbau der Strasse Winterthur-Pfäffikon noch verstärkt. Auf den Bahnanschluss 1876 folgte gegen 1900 die Überbauung zwischen Dorf und Station. 1934 wurde das Fehraltorfer Pferderennen erstmals durchgeführt, 1948 der Sportflugplatz eingeweiht. In den 1960er Jahren setzte eine rege Bautätigkeit ein, und F. entwickelte sich v.a. in den 80er Jahren zur Agglomerationsgemeinde. 1982 verzeichnete es prozentual und absolut den grössten Bevölkerungszuwachs im Kt. Zürich. Gleichzeitig entstand im Nordwesten des Ortes eine bedeutende Industrie- und Dienstleistungszone.

<b>Fehraltorf</b><br>Trabrennen in Fehraltorf, April 1982  © KEYSTONE.<BR/>Seit 1934 strömen am Ostermontag zehntausende von Zuschauern nach Fehraltorf zu den Pferderennen, die im Zürcher Oberland die Wettkampfsaison eröffnen.<BR/>
Trabrennen in Fehraltorf, April 1982 © KEYSTONE.
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Literatur
– H. Brüngger, F. im Wandel der Jahrhunderte, 1933
F., ein kultureller Querschnitt, 1984
– B. Frei, F. im Umbruch 1900-2000, 2000

Autorin/Autor: Ueli Müller