Hägendorf

Polit. Gem. SO, Bez. Olten. Ursprüngl. Bachzeilendorf am Jurasüdfuss mit Streusiedlung auf Vogelberg und Eggberg, einzelnen Berghöfen im Jura, u.a. Allerheiligenberg. 1036 Hagendorf (Kopie), 1102-03 Haegindorf. 1739 569 Einw.; 1800 656; 1850 1'113; 1900 1'494; 1950 2'096; 2000 4'178.

Neolith. Gerätefunde auf Chanzelflue, Zoll und im Weiherägertli. Röm. Villen im Santel und Thalacker. Vermutlich im 7. Jh. alemann. Besiedlung. 1036 wies Gf. Ulrich I. von Lenzburg die Kirche H. dem Stift Beromünster zu. Um 1098 ging der Kirchensatz an das Basler Kloster St. Alban, gelangte über Gf. Johann von Frohburg 1336 an St. Urban und wurde 1546 an Solothurn verkauft, das ab 1463 die Vogtei Bechburg besass. Patrone sind St. Gervasius und Protasius. Die Reformation fasste in H. nicht Fuss. Bis ins 17. Jh. waren Boningen, Gunzgen, Kappel, zeitweilig auch Wangen bei Olten und Fulenbach nach H. pfarrgenössig; Rickenbach ist es bis heute geblieben. 1862 erfolgten der Abbruch der alten Kirche und ein Neubau in neugot. Stil, 1962 und 1992 Renovationen. Ein Zoll (Juraübergang) und eine Taverne sind 1423 erwähnt. Dorfbriefe von 1754 und 1795 regelten v.a. die Niederlassung Fremder. Ein obrigkeitl. Kornhaus entstand Mitte des 16. Jh., 1905 die Kreisbezirksschule (seit 1980 Kreisschule Untergäu). 1808 lebten in H. neben einigen Handwerkern 35 Vollbauern, 103 Tauner, 17 Weber und 8 Stricker. Materielle Not zwang zur Auswanderung, so 1717 9 Fam. nach Ungarn, 1819 12 Einwohner nach Brasilien und 1854 deren 128 in die USA. Ab Mitte des 19. Jh. fanden viele Taglöhner Arbeit in der Oltner Industrie. Sie wurden Arbeiterbauern, die neben Fabrikarbeit Kleintierhaltung betrieben. Textile Heimarbeit für Basler Verleger hielt sich bis Ende des 19. Jh. Die Gäubahn 1876, die Dünnernkorrektion 1933-43 und die A2 (Belchentunnel) 1969 veränderten den Siedlungsraum nachhaltig. H. hatte bis Mitte des 20. Jh. praktisch keine Industrie. Um 1960 setzte eine ungebremste Überbauung des Jurasüdhangs und der Dünnernebene ein. Die Nähe zum Autobahnkreuz Egerkingen-Härkingen macht H. heute als Wohnort und Standort für Handelsfirmen (Baumaterialien, Transporte, Pflanzen, Bücher) interessant.


Literatur
– P. Hofer, Neunhundert Jahre Pfarrei H.-Rickenbach, 1963
Hägendörfer Jahrringe, hg. von H.A. Sigrist, H. 1-, 1986-

Autorin/Autor: Hans A. Sigrist