Mistail

Kirche und ehem. Frauenkloster in der Gemeinde Albula/Alvra. Der Konvent wurde vor 806 als bischöfl. Eigenkloster, vermutlich auf Initiative des Klosters Cazis, gegründet. Ende 9. Jh. sororibus ad Impidines (entsprechend dem karoling. Ministerium Impetinis im Albulagebiet), 926 Uapitines, vor März 954 Prades, 1290/98 Monasterium. Nach nicht sicher einzuordnenden Vorgängerbauten wurde um 800 die heute noch bestehende Dreiapsidenkirche (926 Petrus-Patrozinium) gebaut. Aus ihrer Entstehungszeit stammen Freskenreste. Das Kloster wurde zwischen 1096 und 1154 aufgehoben. Dann übergab Bf. Adelgott die Kirche samt den Meierhöfen Prada (Gemeinde Albula/Alvra), Savognin und Latsch (Gemeinde Bergün) dem Prämonstratenserstift St. Luzi in Chur zu Eigen. 1282 gelangte die Kirche mit den Höfen Prada und Savognin wieder ans Bistum, das die Verwaltung dieser Güter einem Viztumsamt unterstellte, mit dem ab 1386 die Fam. von Marmels belehnt war. Zu einer Pertinenz von M. gehörte vermutlich das 831 bezeugte xenodochium sancti Petri. Dieses Hospiz dürfte sich in Klosternähe befunden haben und war nicht mit jenem auf der Septimer-Passhöhe identisch. Entgegen älterer Literatur ist die Stiftskirche von M. nicht mit der ursprünglichen Talkirche des Albulagebiets (und womöglich des Oberhalbsteins) gleichzusetzen. Immerhin scheint M. als Begräbniskirche der Pfarrei Tiefencastel gedient haben. Für das FrühMA sind nördlich der bestehenden Kirche in Schiefer eingehauene Gräber, südwestlich ein kleines gewölbtes Mausoleum belegt. Nach der Auflösung des Klosters behielt die Kirche das Begräbnisrecht, vorerst offenbar für das ganze Albulatal, bis 1679 noch für Alvaschein. Dieses erscheint bereits 1397 anlässlich der Neuweihe als Besitzer der Kirche. An der Wende zum 15. Jh. und möglicherweise in Verbindung mit der Weihe entstanden die Fresken in der Hauptapsis und an der Nordwand wie auch der Turm und die Sakristei. Im Norden der Kirche sind Überreste von Konventgebäuden nachgewiesen. Ein in seinen Fundamenten bezeugtes Atrium westlich des Sakralbaus ist teilweise ins Albulatobel abgerutscht.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 266-275; 7, 1948, 432 f.
– O.P. Clavadetscher, «Die Urkunde Bf. Adelgotts von Chur vom Jahre 1154 für das Prämonstratenserkloster St. Luzi in Chur», in Gesch. und Kultur Churrätiens, hg.von U. Brunold, L. Deplazes, 1986, 311-329
HS III/1, 279-282

Autorin/Autor: Florian Hitz