• <b>Hermetschwil</b><br>Das Benediktinerinnenpriorat St. Martin von Süden. Fotografie, 1910 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege). Die Kirche und das Konventgebäude (rechts) wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts neu errichtet. Die Grösse der Wirtschaftsgebäude (links) und der Zehntscheune (Mitte) verweisen auf den bedeutenden Grundbesitz, der mit der ursprünglichen Klosterstiftung verbunden war. Das Gebäude mit dem Türmchen im Hintergrund wurde 1889 für das Kinderheim St. Benedikt gebaut.

Hermetschwil

Benediktinerinnenabtei in der Gemeinde Bremgarten AG. Um 1083 wurde im Zug der Hirsauer Reform das Benediktinerkloster in Muri (AG) durch einen Frauenkonvent in ein Doppelkloster umgewandelt. Ende 12. Jh. wurde der Frauenkonvent nach H. verlegt. Muri stattete das Kloster mit Grundbesitz aus (Twingherrschaften H., Eggenwil, Rottenschwil; Streubesitz im Reuss- und Bünztal), dessen Verwaltung um 1300 an die Nonnen überging (eigenes Siegel 1309), behielt aber die geistl. und weltl. Leitung (Visitationsrecht, Einsetzung der Meisterin). Rechtlich blieben Muri und H. eine einzige Stiftung mit gemeinsamem Kastvogt; der Abt von Muri vertrat H. nach aussen. Die Nonnen, Töchter des habsburg. Ministerialadels (Aargau, Sisgau, Ostschweiz), im 15. Jh. der stadtbürgerl. Oberschicht (Aargau, Zürich, Basel), verfügten über Privatvermögen und Pfründen. Der Konvent (sechs bis acht Chorfrauen) war ohne Klausur. Die Reformation (1529-31) brachte Klosteraustritte. Die Wende kam mit der trident. Reform: Nach Widerständen - 1587 wurde das Kloster deswegen mit dem Kirchenbann belegt - wurden Pfründen abgeschafft sowie Klausur und gemeinsames Leben eingeführt (Statuten 1603). Es folgte die Blütezeit H.s mit vergrössertem Konvent (17-20 Chorfrauen und maximal vier Laienschwestern) sowie neuem Einzugsgebiet (kath. Aargau, Patriziat der Zentral- und Innerschweiz). Ab 1636 führten die Meisterinnen den Äbtissinnentitel. Im 16. und 17. Jh. wurden auch die Gebäulichkeiten in mehreren Phasen erweitert (Klosterökonomie 1557-81, Kirche und Klosterbau 1604-25, Ökonomie 1691-92). 1841 erfolgte die erste Klosteraufhebung durch den Aargauer Gr. Rat, 1843 wurde das Kloster restituiert, 1876 wieder aufgehoben, 1877 das Klostergut versteigert. In den ehem. Ökonomiebauten entstand ein vom Kloster unabhängiges, heute staatl. Kinderheim. Die Nonnen blieben im 1878 zurückgekauften Klostergebäude. Da die Novizinnenaufnahme verboten war, wurde der Sitz 1892 nach Habsthal (Württemberg) verlegt und H. als Priorat geführt. Nach Aufhebung der Ausnahmeartikel in der BV erhielt H. 1973 sein Existenzrecht zurück. 1985 wurde H. wieder zur Abtei erhoben. Seit 1986 sind H. und Habsthal zwei selbstständige Klöster. 2003 zählte die Benediktinerinnenabtei St. Martin-H. 15 Nonnen. Ordinarius ist der Abt von Muri-Gries.

<b>Hermetschwil</b><br>Das Benediktinerinnenpriorat St. Martin von Süden. Fotografie, 1910 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).<BR/>Die Kirche und das Konventgebäude (rechts) wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts neu errichtet. Die Grösse der Wirtschaftsgebäude (links) und der Zehntscheune (Mitte) verweisen auf den bedeutenden Grundbesitz, der mit der ursprünglichen Klosterstiftung verbunden war. Das Gebäude mit dem Türmchen im Hintergrund wurde 1889 für das Kinderheim St. Benedikt gebaut.<BR/>
Das Benediktinerinnenpriorat St. Martin von Süden. Fotografie, 1910 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).
(...)


Literatur
– A.-M. Dubler, Die Klosterherrschaft H. von den Anfängen bis 1798, 1968
HS III/1, 1813-1847

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler