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Benediktinerinnenpriorat in einer vom Kt. Zürich umschlossenen Exklave des Kt. Aargau. F. gehört zu keiner Gem., auch wenn gewisse Verwaltungsaufgaben von den Würenloser Behörden ausgeführt werden. In dieser Gem. nehmen die Fahrer Bürger auch ihre polit. Rechte war. Ursprünglich Diözese Konstanz, seit 1828 Basel. 1130 Vare. Patrozinium: Maria.

1130 übergab Lütold II. von Regensberg seinen Besitz F. dem Kloster Einsiedeln mit der Auflage, ein Benediktinerinnenkloster zu errichten. Die Vogteirechte lagen bis 1306 bei den Regensbergern, danach bei Zürcher Bürgern, 1434-1798 bei der Fam. Meyer von Knonau. Klosterherr ist seit den Anfängen der Abt von Einsiedeln, der einen Konventualen als Propst nach F. entsendet. Das Kerngebiet des ma. Besitzes lag in Weiningen und Engstringen. Wichtigste Einnahmequelle war der Weinbau. Neben der St. Niklaus-Kapelle (heute St.-Anna-Kapelle) und der im späten MA errichteten Leutkirche in F. unterstand dem Kloster auch die Kirche Weiningen. Um 1530 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgehoben, 1576 mit zwei Engelberger Nonnen wiedereröffnet. Der wirtschaftl. Aufschwung nach 1600 führte zu reger Bautätigkeit: 1678 Wirtshaus "Zu den zwei Raben", 1685-96 Neubau der Konventsgebäude, Renovation des Kirchturms, 1703-04 Bau des Refektoriumsgebäudes (Johann Moosbrugger), 1730-34 des Propsteigebäudes, 1743-46 Umbau der Leutkirche mit Fresken der Gebr. Torricelli (auch bedeutende Fassadenmalerei an der Friedhofumfassung). Bei der Aufteilung der alten Grafschaft Baden einigten sich die Kt. Zürich und Aargau 1803 darauf, den Klosterbezirk F. als Exklave dem Aargau, den weiteren Grundbesitz Zürich zuzuweisen. Die Eingriffe des Kt. Aargau nahmen in der Folge zu. Sie gipfelten 1841 in der Aufhebung aller aarg. Klöster, die allerdings 1843 für die Frauenklöster rückgängig gemacht wurde. Die folgenden Verhandlungen zwischen Einsiedeln und dem Kt. Aargau über Vermögenswerte und Einflussnahme wurden erst 1932 abgeschlossen: F. erhielt die Selbstverwaltung unter der Aufsicht des Staates zugestanden. 1944 wurde dem Kloster eine Bäuerinnenschule angegliedert. Der Konvent, der 1873 nur noch 7 Mitglieder umfasst hatte, beherbergte 2000 33 Schwestern.


Literatur
– L. Kohler, F., Einsiedeln und der Kt. Aargau im 19. Jh., 1979
HS III/1, 1760-1806
– H. Arnet, Das Kloster F. im MA, 1995
Kdm AG 7, 1998, 276-376
Das Kloster F., 2003

Autorin/Autor: Hélène Arnet