Einsiedeln (Benediktinerinnenabtei)

Frauenkloster in Trachslau bei E. SZ. Diözese Konstanz, 1819 provisorisch, 1824 definitiv Diözese Chur. 1404 vordre Ow, 1651 Gottshaus bey allen Heiligen in der Auw. Patrone: Alle Heiligen, Unschuldige Kinder.

Im Hoch- und SpätMA bildeten sich in der Umgebung von E. Gemeinschaften von Waldschwestern. Die nach Art der Beginen lebenden Frauen sind erstmals 1359 urkundlich erwähnt. Sie unterstanden dem Abt von Einsiedeln, der 1403 für die vier Schwesternhäuser Alpegg, Hagenrüti, Vordere und Hintere Au Statuten erliess über seine Jurisdiktionsgewalt als kirchl. Oberer, über Eintritt und Austritt der Schwestern und deren Gelübde. Das kontemplative Leben der Schwestern erhielt durch Schriften myst. Inhalts (u.a. das "Fliessende Licht der Gottheit" von Mechthild von Magdeburg) besondere Vertiefung. Gegen Ende des 15. Jh. wurden die Häuser Hagenrüti und Hintere Au aufgegeben. In der Folge der Reformation (Wirken von Zwingli und Leo Jud) übersiedelten zwischen 1526 und 1536 die Schwestern von Alpegg in die Vordere Au. Dies war der Beginn der klösterl. Regulierung der Gemeinschaft zu einem benediktin. Nonnenkonvent, die im 17. und 18. Jh. in mehreren Etappen erfolgte (neue Statuten 1617, 1703). Während der Franz. Revolution verliessen die Schwestern das Kloster. Sie kehrten erst 1803 zurück. 1983 trat die Gemeinschaft der Föderation der Nonnenklöster bei; 1984 wurde das Kloster zur Abtei. Die seelsorgerl. Betreuung lag von Anfang an beim Stift E. Die 1846 definitiv eingeführte Ewige Anbetung bereichert das religiöse Leben und gereicht dem Kloster zu neuer Ausstrahlung.

Die bescheidenen spätma. Bauten wurden Anfang des 17. Jh. bedeutend erweitert. Eine Brandkatastrophe zerstörte 1684 alle Gebäude; die wieder aufgebaute Kirche wurde 1687 geweiht. Im 19. Jh. entstand ein neurom. Gotteshaus (Clemens Steiner). Die moderne Klosterkirche (geweiht 1974) trägt den liturg. Formen der Gegenwart Rechnung.

Das wirtschaftl. Auskommen des Klosters gründete zu allen Zeiten auf Almosen, Spenden und Jahrzeitstiftungen, insbesondere aber auf gewerbl. Arbeiten der Schwestern (Weberei, Paramentenstickerei, Fassen von Reliquien). Seit dem Erwerb kleinerer Grundstücke in der Umgebung des Klosters (um 1650) bringt auch die Landwirtschaft Erträge. 2004 zählte die Gemeinschaft 21 Schwestern.


Literatur
HS III/1, v.a. 1713-1732; IX/2, 661-668
Kdm SZ NF 3/2, 2003, 273-291

Autorin/Autor: Albert Hug