21/01/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Sankt Gerold

Gem. und Propstei im Gr. Walsertal (Bez. Bludenz, Vorarlberg). Der Ursprung der Propstei ist legendenumwoben. Der hl. Gerold soll seine Klause zu einem Klösterlein ausgebaut und dieses vor seinem Tod (um 978) dem Kloster Einsiedeln geschenkt haben, doch können weder Beziehungen der Person noch des Besitzes zu Einsiedeln belegt werden. Die Propstei wird unter dem Namen Frisun (oder Frisen) erst im Zeitraum 1220-27 in der Gütergeschichte des Klosters Weissenau bei Ravensburg (Oberschwaben) erstmals erwähnt. Sie war vermutlich eine Gründung des welf. Ministerialengeschlechts der Tumb von Neuburg. Erst gegen Ende des 13. Jh. wird eine Zugehörigkeit der Propstei Frisun zu Einsiedeln fassbar, 1340 wird sie in einer Urkunde erstmals S. genannt. Die Schirmvogtei lag ursprünglich wohl bei den Tumb von Neuburg, bis 1648 bei dem Landesherrn der Herrschaft Blumenegg (Montfort, Werdenberg, Vaduz, Brandis, Sulz und seit 1613 beim Reichsstift Weingarten). Danach war S. bis 1802 eine selbstständige Reichspropstei unter dem Fürstabt von Einsiedeln. Als die Franzosen 1798 Einsiedeln besetzten, diente sie einigen Mönchen als Zufluchtsort. Nach der Säkularisation 1802 kam S. an das Haus Nassau-Oranien, 1804 an Österreich. 1838 kaufte Einsiedeln die Propstei mit ihren Gütern und Patronatsrechten von Österreich zurück. Die Pfarrrechte des Orts lagen bis 1649 bei Bludesch. Dann bildete S. eine Kloster-Lokalkaplanei, die 1779 zur Pfarrei erhoben und dem Stift Einsiedeln inkorporiert wurde. Die Pröpste kamen seit dem MA überwiegend aus der Eidgenossenschaft. Während der nationalsozialist. Herrschaft in Österreich wurden alle Schweizer Patres im Vorarlberg als unerwünschte Ausländer abgeschoben. Das aus dem 16. Jh. stammende Klostergebäude wurde unter Propst Nathanael Wirth von Berg (TG), 1960-2009 im Amt, zu einem bekannten Kulturzentrum für das Gr. Walsertal.


Literatur
– R. Henggeler, «Gesch. der stiftseinsiedl. Propstei S.», in Montfort 13, 1961, 3-90
HS III/1, 1373-1396

Autorin/Autor: Karl Heinz Burmeister