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No 1

Brant, Sebastian

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geboren 1457/58 Strassburg,gestorben 10.5.1521 Strassburg. Sohn des Gastwirts und Ratsherrn Diebolt und der Barbara Ricker. ∞ 1485 Elisabeth Bürgi(s), Tochter des Heinrich, Messerschmiede-Zunftmeisters in Basel. B. studierte ab 1475 in Basel die Artes liberales (1477 Bakkalaureus). Als Famulus des Juristen Hugo von Mauersmünster fand er zur Rechtswiss. und promovierte 1480 zum Bakkalaureus, 1483/84 zum Lizentiaten und 1489 zum Dr. iur. utr. Von 1483 an lehrte er römisches und kanon. Recht sowie Poetik an der Univ. Basel (1492 Dekan), war aber auch in der Praxis beschäftigt. Aus der Lehrtätigkeit gingen die vielfach aufgelegten "Expositiones ... omnium titulorum iuris civilis et canonici" (Basel 1490), kirchenrechtl. Textausgaben des "Decretum Gratiani" (1493), der "Dekretalen" (1494) und des "Liber Sextus" (1499) hervor. B., der seinen Namen in Titio latinisierte, war zudem bestrebt, durch populäre Werke die Rechtswissenschaft auch Laien zu vermitteln, etwa durch den "Richterlich Klagspiegel" (1516).

Als Korrektor und Lektor gestaltete B. die Programme des Basler Buchdrucks über mehr als zwei Jahrzehnte wesentlich mit: Editionen antiker und humanist. Texte, aber auch pädagogischer und polit. Schriften (Kirche, Reich), wobei er auch durch den Bezug zwischen Text und Bild zu wirken verstand. In Flugschriften äusserte er sich zu aktuellen Tagesfragen oder Naturereignissen (z.B. zum Meteoreinschlag "Von dem Donnerstein ... vor Ensisheim", 1492). Über lat. Gedichte und Übersetzungen fand B. den Weg zur volkssprachl. Dichtung, deren Höhepunkt die erfolgreiche, in viele Sprachen übersetzte Moralsatire "Das Narrenschiff" (1494, Holzschnitte z.T. von Albrecht Dürer) bildete. Dieses Werk ist eines der berühmtesten Beispiele der im Übergang vom MA zur Neuzeit verbreiteten sog. Narrenliteratur, die in Verwendung eines alten literar. Topos der Stimme der Vernunft die Narrenmaske aufsetzte, um auf diesem Weg menschl. Schwächen darzustellen, Missstände anzuprangern und für Reformen zu werben. B. war ein konservativer Humanist und Anhänger der alten Kirche, der Ks. Maximilian I. sehr nahe stand und die Eidgenossenschaft ablehnte. 1501 zog er, vielleicht wegen des von ihm missbilligten Bündnisses Basels mit der Eidgenossenschaft, als Ratssyndikus nach Strassburg und wurde dort 1503 Stadtschreiber. Bereits zuvor war er von Maximilian I. zum kaiserl. Rat, später auch zum Pfalzgrafen und Beisitzer des Reichskammergerichts ernannt worden. In Strassburg ordnete B. das Archiv und wandte sich der Chronistik zu, deren politisch-prakt. Bedeutung sich v.a. im "Uszugk einer Stadt Straszburg alt harchomen und bestetigten freyheiten" (1520) erweist.


Literatur
– G. Aker, Narrenschiff, 1990
– T. Wilhelmi, Sebastian B. Bibl., 1990
– J. Knape, Dichtung, Recht und Freiheit, 1992
– H. Wiegand, «Sebastian B. (1457-1521)», in Humanismus im dt. Südwesten, hg. von P.G. Schmidt, 1993, 77-104
– C. Schneider, Das Narrenschiff, Ausstellungskat. Mainz, 1994
Sebastian B., hg. von T. Wilhelmi, 2002

Autorin/Autor: Karl Heinz Burmeister