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Bosshart, Jakob

geboren 7.8.1862 Stürzikon (Gem. Oberembrach), gestorben 18.2.1924 Clavadel (Gem. Davos), ref., von Oberembrach. Sohn des Hans Heinrich, Landwirts, und der Barbara geb. Meyer. ∞ Elsa Forrer, Tochter des Bundesrats Ludwig Forrer. Lehrerseminar in Küsnacht (ZH). Stud. der dt. und franz. Literatur- und Sprachwissenschaft in Zürich. 1887 Dr. phil. Nach Auslandaufenthalten unterrichtete B. 1890-99 an versch. Schulen; 1899-1916 war er Rektor des Kant. Gymnasiums Zürich. 1916 wurde er wegen Tuberkulose vorzeitig pensioniert und übersiedelte in den Kurort Clavadel. Als Erzähler debutierte B. mit dem Band "Im Nebel" (1898). In seinen Werken "Das Bergdorf" (1900), "Die Barettlitochter" (1902), "Erdschollen" (1913) und "Opfer" (1920) verwendete er zwar gängige Motive aus der Heimatkunst, hebt sich aber in Bezug auf den künstlerischen Anspruch und die Psychologie der dargestellten Figuren deutlich vom Standard dieser Literaturgattung ab - aus diesem Grund eignen sich die Begriffe "Heimat-" oder "Bauernliteratur" nur sehr bedingt zur Charakterisierung von B.s Werken. Die ab 1918 auszumachende, radikale Neubesinnung B.s dürfte z.T. auf seine Krankheit, z.T. auf die Katastrophe des Weltkrieges zurückzuführen sein. In den Novellen "Neben der Heerstrasse" (1923) und dem Roman "Ein Rufer in der Wüste" (1921) rückte die krit. Darstellung der zeitgenössischen sozialen Verhältnisse ins Zentrum, denen der Autor die Rückkehr zur bäuerl. Einfachheit als Utopie gegenüberstellte. 1922 erhielt B. den Grossen Schillerpreis und als Erster den Gottfried-Keller-Preis.


Werke
Werke in sechs Bänden, 1950-51, (3 Bde., 21988)
Archive
– ZBZ, Nachlass
Literatur
– M. Konzelmann, Jakob B., 1929
– F. Comment, Der Erzähler Jakob B., 1990

Autorin/Autor: Charles Linsmayer