• <b>Julie Bondeli</b><br>Pastellbildnis eines unbekannten Künstlers, um 1765 (Burgerbibliothek Bern).

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Bondeli, Julie

getauft 1.1.1732 (Suzanne Julie) Bern,gestorben 8.8.1778 Neuenburg, ref., von Bern. Tochter des Friedrich, Mitglieds des Gr. Rats, und der Julie Berseth. Ledig. B. erhielt eine für Mädchen untypische umfassende Bildung in Sprachen, Mathematik und Philosophie, die ihren intellektuellen Interessen und Fähigkeiten entsprach, ohne die übliche Ausrichtung auf eine weibl. Rolle. Dem aufklärer. Bildungsideal blieb sie treu und nahm durch breite Lektüre Anteil an den geistigen Auseinandersetzungen ihrer Zeit. Sie kannte nicht nur die schöne Literatur Europas, sondern auch die Debatten in Philosophie, Ästhetik, Naturwiss. und Ökonomie. Sie pflegte den Geist der Aufklärung v.a. auch in ihrem Salon, wo sie aufgeklärte Patrizier, kultivierte Aristokratinnen, gebildete Bürger und ausländ. Gelehrte empfing, und der Ende der 1750er, anfangs der 1760er Jahre zu einem Zentrum des aufgeklärten Bern wurde. Nach dem Vorbild der Pariser Salons wurden hier Kultur, Räsonnement und Freundschaft über die Grenzen von Stand und Geschlecht hinweg gepflegt. B. gehörte überdies zu den hervorragenden Vertreterinnen der Briefkultur der Aufklärung. In der Korrespondenz mit Johann Georg Zimmermann, Sophie La Roche, Leonhard Usteri, Johann Kaspar Lavater, Christoph Martin Wieland und Jean-Jacques Rousseau ist sie geistreiche Gesprächspartnerin, gebildete Rezensentin und brillante Literaturkritikerin, kurz: aufgeklärte Femme de lettres. Nach dem Tod der Mutter 1767 musste sie ihren Haushalt aufgeben und zog als Gesellschafterin nach Neuenburg. Eine fragile Gesundheit und ein Zeitgeist, der gelehrten Frauen zunehmend feindlich gesonnen war, zwangen sie, die Jahre bis zu ihrem frühen Tod in wachsender Zurückgezogenheit zu verbringen. Leben und Wirken B.s verkörpern exemplarisch Möglichkeiten und Grenzen weibl. Intellektualität in der Schweiz z.Z. der Aufklärung.

<b>Julie Bondeli</b><br>Pastellbildnis eines unbekannten Künstlers, um 1765 (Burgerbibliothek Bern).<BR/>
Pastellbildnis eines unbekannten Künstlers, um 1765 (Burgerbibliothek Bern).
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Werke
Die Briefe von Julie B. an Johann Georg Zimmermann und Leonhard Usteri, hg. von L. Haller, 1930
Literatur
– A. Baum, B. Schnegg, «Julie B.», in Und schrieb und schrieb wie ein Tiger aus dem Busch, hg. von E. Ryter et al., 1994, 30-51

Autorin/Autor: Brigitte Schnegg