Selzach

Polit. Gem. SO, Bez. Lebern, umfasst ausser dem Dorf S. den Weiler Haag und das ehem. Städtchen Altreu. Die Gem. erstreckt sich von der Aareebene auf 428 m Höhe bis zur Hasenmatt auf der ersten Jurakette auf 1445 m. 1181 Selsacho. 1666 697 Einw.; 1850 1'052; 1900 1'537; 1950 2'237; 2'000 2'810. Alemann. Gräberfunde im Haag und auf dem Kapf. Röm. Funde in Altreu, im Brüelgut, beim Spielhof, im Seuset und im Winkel der sog. Münzenschatz von S. Ab 1280 gehörte S. zur Herrschaft der Gf. von Strassberg, die es im 14. Jh. der Herrschaft Altreu zuteilten. Nach mehreren Herrschaftswechseln kam S. um 1390 zur Vogtei Lebern der Stadt Solothurn und bildete bis 1798 einen eigenen Gerichtskreis. Die Pfarrei S. wurde 1228 von den hier erstmals erw. Grafen von Neuenburg-Nidau gegründet. Die Kirche mit einem Kirchturm von 1457 wurde 1514 und 1869 neu gebaut. Nachdem das Dorf 1839 von der neuen Hauptstrasse am südl. Dorfrand sowie 1857 von der Eisenbahn erschlossen worden war, siedelte sich ab Ende des 19. Jh., teils an Standorten alter Gewerbebetriebe, z.B. der Mühle am Lochbach, die Uhrenindustrie mit zahlreichen kleineren Zulieferbetrieben an. So entstand 1870 die Uhrenfabrik Greder. Mehrere techn. Betriebe für Uhren, Maschinen und Präzisionsmechanik bildeten 1980 das wirtschaftl. Rückgrat mit 62% aller Erwerbstätigen. Trotz Entwicklung zur Wohngemeinde bewahrte S. sein bäuerlich geprägtes Erscheinungsbild. Die 1938-45 für die landwirtschaftl. Nutzung erschlossene Witi stellte bis zum Bau der A5 ein erstrangiges Erholungsgebiet dar. Eine landschaftserhaltende Rolle spielt die in drei Bergkorporationen organisierte Berglandwirtschaft. 2005 stellte der 1. Sektor noch 11% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Eine tourist. Attraktion bildeten die ab 1892 in S. aufgeführten Passionsspiele und die seit 1953 an ihre Stelle getretene Sommeroper.


Literatur
– A. Kocher, S., 1972
– W. Hug, S., 1181-1981, [1981]

Autorin/Autor: Urs Zurschmiede