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No 14

Bodmer, Johann Jakob

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geboren 19.7.1698 Greifensee,gestorben 2.1.1783 Gut Schönenberg bei Zürich, ref., von Zürich. Sohn des Hans Jakob, Pfarrers in Greifensee, und der Esther geb. Orell. ∞ Esther Orell, Tochter des Felix Orell zum Spiegel, Seidenfabrikanten. Vom Vater zur geistl. Laufbahn bestimmt, besuchte B. vorerst die Lateinschule und das Collegium Carolinum in Zürich, wandte sich dann jedoch 1718 dem Kaufmannsberuf zu und sammelte in Genf, Lyon und Lugano Kenntnisse im Seidenhandel. Wie schon während der theol. Ausbildung standen aber auch da seine literar. und hist. Interessen im Vordergrund, indem er sich v.a. mit franz., engl. und ital. Literatur vertraut machte. Nach seiner Rückkehr arbeitete er erst in der Zürcher Staatskanzlei, ab 1725 als Verweser am Carolinum. 1731 wurde er auf den Lehrstuhl für Helvet. Geschichte daselbst berufen, ein Amt, das er bis 1775 versah. Ausdruck seiner reformer. Bemühungen um eine Öffnung der noch stark vom orthodoxen Protestantismus geprägten Kultur Zürichs war u.a. die Gründung der Verlagsbuchhandlung Orell & Compagnie (1734, gemeinsam mit seinem Neffen Konrad Orell und dem Landschreiber Konrad von Wyss) wie auch sein Einsitz in den Gr. Rat von 1747, wo freilich sein polit. Wirken begrenzt blieb. Bereits um 1720 begann die langjährige Zusammenarbeit mit Johann Jakob Breitinger. Nach dem Muster von Joseph Addisons moral. Wochenzeitschrift "The Spectator" gaben die beiden die "Die Discourse der Mahlern" (1721-23) heraus (1746 fortgeführt in "Der Mahler der Sitten"), gründeten 1720 die Gesellschaft der Mahler, 1727 die Helvet. bzw. Hist. Gesellschaft und entwickelten in den 1730er und 40er Jahren ein ästhet. und literar. Kunstprogramm, das sie weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt machte und Zürich zu einem Zentrum der literar. und kunsttheoret. Entwicklung deutschsprachiger Kultur im 18. Jh. werden liess. In ihren theoret. Schriften stellten sie sich in einen streitbaren Gegensatz zur Leipziger Schule Johann Christoph Gottscheds und wiesen mit ihrem Plädoyer für eine erweiterte Geltung der Einbildungskraft, des Wunderbaren und der Phantasie in der Literatur neue Wege. Dabei war es v.a. B., der die literar. und künstler. Talente nicht nur Zürichs, sondern Deutschlands an sich zog, so dass von 1750 bis in die 1770er Jahre sein Haus zum Oberen Schönenberg zum Sammelpunkt des geistigen Lebens wurde, wo neben vielen anderen Friedrich Gottlieb Klopstock, Christoph Martin Wieland, Ewald von Kleist, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Heinrich Tischbein der Ältere und Wilhelm Heinse zu Gast waren. Neben seinem weltoffenen, unermüdlich regsamen Wirken als Anreger und Förderer war es B.s Tätigkeit als Vermittler, sei es durch die Übersetzung fremdsprachiger Literatur, u.a. John Miltons und Homers, sei es durch die Herausgabe vergessener ma. Texte, so v.a. der Manessischen Handschrift und von Teilen des Nibelungenlieds, aber auch etwa von Martin Opitz, was ihn zu einer der herausragenden Gestalten des 18. Jh. in der Schweiz machte. Wenig Wertschätzung haben dagegen seine zahlreichen dramat. und epischen Dichtungen gefunden.


Werke
Crit. Abh. von dem Wunderbaren in der Poesie und dessen Verbindung mit dem Wahrscheinlichen, 1740
Crit. Betrachtungen über die Poet. Gemählde Der Dichter, 1741
Schr. zur Lit., hg. von V. Meid, 1980
Archive
– ZBZ, Nachlass
Literatur
– W. Bender, Johann Jakob B. und Johann Jakob Breitinger, 1973
– H.O. Horch, G.-M. Schulz, Das Wunderbare und die Poetik der Frühaufklärung, 1988
– Killy, Literaturlex. 2, 47-49
– A.M. Debrunner, Das güldene schwäb. Alter: Johann Jakob B. und das MA als Vorbildzeit im 18. Jh., 1996

Autorin/Autor: Michael Böhler