12/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Oberdorf (SO)

Polit. Gem. SO, Bez. Lebern, auf einer Terrasse am Südfuss des Weissensteins gelegen. 1305 Oberdorf. 1850 585 Einw.; 1900 750; 1920 1'037; 1950 1'029; 2000 1'612. Funde aus der Hallstattzeit, röm. Gutshof, burgund. und alemann. Gräberfunde. Mit der 740 nachgewiesenen Kapelle (St. Michaelspatrozinium) begann die kirchl. und weltl. Herrschaft des St.-Ursenstifts. O. gehörte neben Langendorf und Bellach zum Gericht Langendorf. 1501 übernahm die Stadt Solothurn die gerichtsherrl. Rechte und schuf 1513 das Gericht O. (mit Langendorf, Bellach und Oberrüttenen), das zur Vogtei Flumenthal gehörte. Als Ersatz für die 1375 von den Guglern zerstörte Pfarrkirche St. German in Lommiswil gewann die Kapelle von O. an Bedeutung und wurde 1420 als geosteter Bau neu errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Altarbild einer sitzenden Madonna. 1604 wurde die Kirche im barocken Stil erweitert und 1676-78 durch den Wessobrunner Meister Michael Schmutzer stuckiert. 1764 ergänzte Gaetano Matteo Pisoni den Turm durch eine Barockhaube. Als Wallfahrtsort der Marienverehrung erlebte die Kirche v.a. im 15. Jh. und nach dem Tridentinum einen grossen Zustrom. Die Pfarrei umfasste auch die Nachbargemeinden Rüttenen, Langendorf, Bellach und Lommiswil, die erst um die Mitte des 20. Jh. selbstständig wurden. 1758 baute man mit Langendorf ein gemeinsames Schulhaus. Die Wasserkraft des Wildbachs nutzten versch. Gewerbebetriebe (Schraubenfabrik, Spinnerei und Weberei), doch konnte sich, trotz der Eröffnung des Weissenstein-Eisenbahntunnels 1908, keine bedeutende Industrie auf Dauer ansiedeln. O. entwickelte sich zur Wohngemeinde in attraktiver Höhenlage innerhalb der Agglomeration Solothurn mit 78% Wegpendlern im Jahr 2000. Das Dorf ist Ausgangspunkt für den Ausflugstourismus auf den Solothurner Hausberg Weissenstein, der seit 1950 von einer Sesselbahn erschlossen ist.


Literatur
– G. Loertscher, Pfarr- und Wallfahrtskirche O., 1984

Autorin/Autor: Urs Zurschmiede