22/02/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Langendorf

Polit. Gem. SO, Bez. Lebern. Ursprünglich Strassendorf beidseits des Wildbachs, heute agglomerierte Vorortsgem. von Solothurn. 1304 Lengendorf. 1798 324 Einw.; 1850 354; 1900 1'078; 1950 2'393; 2000 3'400. In L. wurde ein röm. Gutshof entdeckt. Das St. Ursenstift übte bis 1501 im Gericht L., zu dem auch Oberdorf und Bellach gehörten, herrschaftl. Rechte aus (Gerichtsherrschaft, Twing und Bann). Bereits 1344 ging die hohe Gerichtsbarkeit an die Stadt über, 1501 die niedere Gerichtsbarkeit. Nach dem Bauernkrieg 1513 wurde das städt. Landgericht, das zur Vogtei Flumenthal gehörte, nach Oberdorf verlegt. Das Stift betreute L. kirchlich, das bis 1953 zur Pfarrei Oberdorf gehörte. Erst 1971 wurde in L. das erste Kirchengebäude als erstes ökumen. Kirchenzentrum der Schweiz eingeweiht. Der Dorfbrief von 1697 wurde 1752 und 1795 erneuert. Die Landwirtschaft (Dreizelgenwirtschaft) dominierte bis ins späte 19. Jh. Mühlen werden erstmals 1315 erwähnt, Sägereien 1435. 1833 wurde die radikal-liberale Chutzenschützen-Gesellschaft ins Leben gerufen, die in den meisten liberalen Kantonen Ableger bildete (Teilnahme an Freischarenzügen und am Sonderbundskrieg). In Erinnerung an die 1863 aufgelöste Gesellschaft besitzt die Gem. seit 1939 ein neues Gemeindewappen mit einem "Chutz" auf einem Kanonenrohr. 1840 erfolgte die Gründung einer Tuchfabrik. Ab 1873 wandelte sich L. durch Johann Viktor Kottmanns Initiative rasant zur Industriegemeinde mit einer bis zur Krise 1973 bedeutenden Uhrenindustrie (Firma Lanco). Anschliessend wurde L. deindustrialisiert. Während 1980 noch rund die Hälfte der Erwerbstätigen in L. im 2. Sektor arbeitete, war es 2000 nur noch gut ein Viertel. Seit 1803 besitzt L. ein eigenes Schulhaus. 1908 wurde die Gem. an die Solothurn-Moutier-Bahn angeschlossen. Die kantonale psychiatr. Klinik (genannt Rosegg) hat ihren Standort seit 1860 in L.


Literatur
– J. Mösch, L., 1951
– W. Brülisauer et al., Dorfchronik L., 2000

Autorin/Autor: Urs Zurschmiede