Klingenzell

Ehem. Propstei, in der polit. Gem. Mammern TG auf einer Terrasse des Seerückens über dem Untersee gelegen, sowie kath. Pfarrei, die K., das Schloss Freudenfels und die Katholiken der Höfe Ammenhausen, Bühl, Eggmühle, Halden, Immelhausen, Klösterli, Störenberg, Weiherhof und Weiherholz umfasst. 1333 Clingenzelle. Gemäss einer Sage erfolgte die Gründung um 1330 durch Frh. Walter von Hohenklingen. Zur Erinnerung an seine Rettung auf der Jagd stiftete er die Kapelle Mariahilf. 1336 verschrieb Walter von Hohenklingen K. an die Abtei St. Georgen in Stein am Rhein; die Vogteirechte behielt er. 1338 erhielt der probste ze der nuwen capelle weitere Zuwendungen. Er mehrte auch durch Käufe den Besitz, so 1351 mit einem Hof zu Wiesholz bei Ramsen. 1359 gelangte die Hälfte, 1445 - nach dem Aussterben der von Hohenklingen - dann auch der Rest der Vogtei K. an Österreich, von dem sie 1460 an die Eidgenossen überging. Im Gegensatz zur Abtei St. Georgen, die Zürich 1525 aufhob, überdauerte die Propstei die Reformation. Zürich versuchte zwar, K. an sich zu ziehen, doch 1550 erreichte der exilierte Abt von St. Georgen, der ehem. Klingenzeller Propst Johann Nüsperli, dass die Tagsatzung Zürichs Anspruch für nichtig erklärte. 1581 wurden St. Georgen und K. der Abtei Petershausen inkorporiert. 1686 erlangte der Landschreiber Wolf Rudolf Reding von Biberegg von den Eidgenossen das Lehen der Vogtei K., das die Reding bis 1798 behielten. Mit dem bad.-thurg. Staatsvertrag von 1820/21 kam K. in den Besitz des Kt. Thurgau. Der Kanton trat die Kollatur 1843 an die 1821 gebildete Pfarrei K. ab. Ein Brand zerstörte 1957 das Pfarrhaus (ehem. Propstei). Die heutige Wallfahrtskirche wurde 1704-05 errichtet sowie 1985-87 aussen und 1992-94 innen restauriert.


Literatur
HS III/1, 764-780
– A. Raimann, B. Sendner-Rieger, Die Pfarr- und Wallfahrtskirche K., 1995
Thurgauer Ztg., 14.2. und 21.2.2007

Autorin/Autor: Erich Trösch