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Erlach (Kloster)

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Benediktinerkloster in der Gem. Gals BE, Diözese Lausanne, auch St. Johannsen genannt. Zwischen 1093 und 1103 gegründet, 1528 aufgehoben. Patron: Johannes der Täufer.

Kuno von Fenis, Bf. von Lausanne, gründete die Abtei auf einer Zihlinsel aus dem Besitz des Hauses Fenis. Nach Kunos Tod führte sein Bruder Burkhard, Bf. von Basel, den Bau der Klosterkirche zu Ende. Die beiden Nachfolger Rudolf von Homburg, Bf. von Basel, und Giroldus de Faucigny, Bf. von Lausanne, erscheinen als dedicatores. Die ersten Mönche stammten aus St. Blasien im Schwarzwald. Die Vogtei ging von den Gf. von Fenis auf die Gf. von Neuenburg-Nidau über und von deren dt. Zweig Ende 14. Jh. an die Stadt Bern, welche 1474 auch die Herrschaft E. eroberte und 1476 definitiv an sich brachte. Das Kloster stand Mitte des 14. Jh. in Bruderschaft mit den Klostern Pfäfers, Frienisberg, Bellelay, Fontaine-André, Gottstatt und St. Petersinsel sowie im Burgrecht mit der Stadt Biel, deren Kirchensatz es 1377 erwarb. Unter den Äbten Louis de Vuillafans (1365-90) und Johann von Neuenburg (1392-1412) wurden Kirche und Kloster im got. Stil fast vollständig neu erbaut. E. beherbergte acht bis zwölf Mönche. Die Äbte waren, v.a. in späterer Zeit, französischsprachig. Der umfangreiche Klosterbesitz erstreckte sich über das bern. Seeland, aber auch auf dem Tessenberg, im Vallon de Saint-Imier, im Neuenburgischen, in der Umgebung von Bern, im Emmental sowie in den luzern., solothurn. und aarg. Grenzgebieten war E. begütert. Dazu kamen die Kirchensätze von E., Diesse, Grenchen, Oberbüren, Nugerol (erw. 1185), Walperswil (ab 1309), Biel und Ligerz (Kapelle, dann Tochterkirche von Diesse, 1417, 1434, 1483 belegt). 1528-29 erfolgten Säkularisation und Umwandlung in eine Landvogtei mit dem heute geläufigen Namen St. Johannsen. Das Langhaus der Klosterkirche wurde niedergelegt, der Chor und das Querhaus wurden als Kornmagazin verwendet. Dieser Komplex musste 1961 wegen Einsturzgefahr abgetragen werden, der Chor wurde 1970-71 wieder aufgebaut. Ab 1834 dienten die Gebäude des Klosters einer chem. Fabrik, ab 1837 zusätzlich einer Ziegelei, bis sie 1883 von Bern zurückgekauft und in eine kant. Strafanstalt umgewandelt wurden, die seit 1978 ein konkordatl. Massnahmenzentrum für männl. Erwachsene ist.


Literatur
HS III/1, 658-671
– L. Mojon, St. Johannsen, 1987
Kdm BE Land 2, 1998, 121-164

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp