Konversionen

Unter Konversion (lat. conversio, dt. Umkehr, Bekehrung) versteht man einen Konfessions- oder Religionswechsel. Die Motive für K. waren und sind vielfältig und verschoben sich im Lauf der Geschichte. K. konnten aufgrund des obrigkeitl. Zwangs erfolgen, wirtschaftl. und familiäre Ursachen (Heirat) oder Glaubens- und Gewissensgründe haben.

K. zum Katholizismus traten in der Schweiz gehäuft im Zusammenhang mit der Konfessionalisierung (v.a. 16.-17. Jh.) und im Zuge der Romantik im 19. Jh. auf, während sie im Zeitalter der Aufklärung und der religiösen Toleranz deutlich zurückgingen. K. von bekannten Persönlichkeiten erregten internat. Aufsehen, wie diejenigen des Bündner Politikers Jörg Jenatsch (1635), des Berner Patriziers Karl Ludwig von Haller (1820), der Basler Malerin Emilie Linder (1843) oder des Schaffhauser Antistes Friedrich Emanuel Hurter (1844)

Umgekehrt wurden auch K. von kath. Geistlichen zum Protestantismus bekannt, so jene des Badener Kapuziners Claudius Schobinger (1684), des Chorherrn Jean-François-Benoît Lamon vom Gr. St. Bernhard (1834) und des St. Galler Priesters Joseph Böni (1926). In den ref. Gebieten wurden die angehenden Konvertiten von einer sog. Proselytenkammer (chambre des prosélytes) begutachtet, so in Zürich, Bern und Genf. Auf kath. Seite wurden K. v.a. von den Kapuzinern und anderen Orden begleitet und teilweise dokumentiert. 1669-1891 verzeichneten die Konvertitenkataloge der Schweizer Kapuziner 5'530 K. Auf ref. Seite fehlen statist. Angaben weitgehend. Insgesamt ist die Geschichte der K. in der Schweiz noch kaum erforscht.

Am Ende des 20. Jh. besitzen K. nicht mehr die Brisanz früherer Zeiten. Sie werden als private Angelegenheit und grundsätzlich nicht als Belastung der Ökumene empfunden; vielfach stellen sie einen Religionswechsel dar (z.B. zum Islam). Häufiger als K. sind Austritte aus den Landeskirchen zu verzeichnen.


Literatur
– A. Räss, Die Convertiten seit der Reformation, 13 Bde., 1866-80
– J. Duft, Die Glaubenssorge der Fürstäbte von St. Gallen im 17. und 18. Jh., 1944, 286-303
– R. Pfister, Kirchengesch. der Schweiz 2, 1974, 467-472
TRE 19, 559-578
Die Konvertitenkat. der Schweizer Kapuzinerniederlassungen, hg. von J. Schacher, 2 Bde., 1992
LThK 6, 338 f.

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof