Hussiten

Als H. werden die Anhänger des böhm. Predigers Jan Hus bezeichnet, der am 6.7.1415 auf dem Konzil von Konstanz verbrannt wurde. Der Hussitimus forderte das Abendmahl unter beiderlei Gestalt (den Kelch auch für Laien), Freiheit der Predigt, Säkularisation des kirchl. Besitzes und Bestrafung der simonist. Geistlichen ("Vier Prager Artikel" 1420). Dank nationaler Verwurzelung konnte er sich auch gegen mehrere Kreuzfahrerheere in Böhmen halten und in ost- und mitteldt. Gebiet ausgreifen. Besonders nachdem 1422 der Bf. von Lausanne, Guillaume de Challant, auf einen Reichstag nach Nürnberg gerufen worden war, um Massnahmen gegen die H. zu beraten, verbreitete sich die propagandistisch geschürte Angst vor den H. bis in die nachmalige Westschweiz. Sie könnte 1430 auch den zweiten Prozess gegen die Freiburger Waldenser ausgelöst haben, bei denen sich der hussit. Einfluss indessen in Grenzen hielt, obwohl 1420 der waldens. Wanderprediger und spätere hussit. Bf. Friedrich Reiser in Freiburg weilte. Das Konzil von Basel war schliesslich gezwungen, mit den H. zu verhandeln ("Basler Kompaktaten" 1433).


Literatur
– F. Badel, Un évêque à la Diète, 1991
LexMA 5, 232-236
Qu. zur Gesch. der Waldenser von Freiburg im Üchtland (1399-1439), hg. von K. Utz Tremp, 2000, v.a. 16-23
– F. Šmahel, Die Hussit. Revolution, 3 Bde., 2002
Friedrich Reiser und die "waldens.-hussit. Internationale", hg. von A. de Lange, K. Utz Tremp, 2006

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp