Darbysten

D. sind Mitglieder von dissidenten prot. Kirchen, die in der franz. Schweiz zu Beginn des 19. Jh. aus den Erweckungsbewegungen hervorgegangen sind. Sie wandten sich nach 1845 der Doktrin des Engländers John Nelson Darby zu. 1855 zählte man ungefähr fünfzig Versammlungen, wobei einige bis zu 200 Mitglieder umfassten. Von Seiten der zivilen und kirchl. Obrigkeiten stiessen die D. auf heftige Opposition, hauptsächlich im Kt. Waadt, wo sie am stärksten vertreten waren. Ende des 20. Jh. gab es ungefähr sechzig Versammlungen mit rund 3'000 Mitglieder, zwei Drittel davon in der franz. Schweiz. Sie anerkennen keine von einer Institution eingesetzten Pastoren und übertragen die Autorität den sog. Brüdern ("Frères"). Der Gottesdienst beinhaltet spontane Gebete, Gesänge und Abendmahlfeiern für die Mitglieder, wobei Besucher ein Empfehlungsschreiben ihrer Versammlung vorweisen müssen. Der Darbysmus steht für eine buchstabengetreue Lesart der Bibel und moral. Rigorismus. Er lehnt sowohl den Kontakt zu anderen Kirchen als auch jegliches polit. Engagement ab. Die Bewegung hat einige erfolgreiche Unternehmer-Persönlichkeiten hervorgebracht, wie z.B. Georges André. Sie unterstützt philanthrop. und missionar. Projekte in versch. Regionen der Welt und gibt seit 1862 die monatlich erscheinende Publikation "Le Messager Evangélique" heraus. Die gegenwärtige Entwicklung geht in Richtung einer Öffnung gewisser Versammlungen, was zu einem Bruch mit den "Exclusiven Brüdern" geführt hat.

Die autoritäre Führung und die Ablehnung des doktrinären Pluralismus in der Lehre verursachten mehrere Ausschlüsse und Spaltungen. So lehnten nach 1865 einige Versammlungen die Vormundschaft Darbys ab und nannten sich fortan "Frères larges". Sie standen anderen Freikirchen (Freikirchen und Sekten) nahe. Heute sind sie in der franz. Schweiz unter dem Namen "Assemblées évangéliques en Suisse romande" bekannt. Sie vereinigen 40 Kirchen mit über 3'500 Mitgliedern. Diese arbeiten für versch. religiöse und soziale Aufgaben in der Schweiz und in der Dritten Welt zusammen. Ihre monatl. Publikation "Semailles et Moisson" (heute "Vivre") geht auf das Jahr 1889 zurück. Im Gegenzug gibt es in der dt. Schweiz 38 Evang.-freikirchl. Gemeinden oder (Freie) Christl. Versammlungen mit insgesamt rund 1'000 Mitglieder. Sie wurden grösstenteils in der 1. Hälfte des 20. Jh. gegründet. Ihre Publikation "Saat und Ernte" erscheint zweimonatlich.


Literatur
– G. Nicole, R. Cuendet, Darbysme et assemblées dissidentes, 1962
– P. Perret, Nos Eglises dissidentes, 1966
– M. Lüthi, Les assemblées évangéliques de Suisse romande sous la loupe, 1994

Autorin/Autor: Jacques Blandenier / MS