Lutherische Kirche

Luth. Traditionen prägen seit der Reformation u.a. durch Martin Luthers Bibelübersetzung, durch Pietismus und Erweckungsbewegungen den Protestantismus in der Schweiz. Die erste luth. Gemeinde bildete sich 1707 in Genf; nach der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) hatte die Genfer Regierung dt. Kaufleuten mit luth. Konfession erlaubt, Gottesdienste zu feiern. Ab Mitte des 19. Jh. wurden von Lörrach aus Lutheraner in Zürich und Basel betreut und organisiert. So entstanden Gemeinden in Zürich (1891), Basel (1893) und später auch St. Gallen (1924).

Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele Lutheraner aus Deutschland und Skandinavien in die Schweiz und ins Fürstentum Liechtenstein. In Genf wurde die dt. lutherische Kirche 1954 umbenannt in Evang.-Luth. Kirche, die neben der deutschsprachigen Gemeinde auch eine multinationale Englisch sprechende Gemeinde umfasst; 1961 wurde ein vollzeitl. Pfarramt für schwed. Gemeindeangehörige errichtet. Stellvertretend für weitere luth. Gemeindearbeit ist auf die Pastoration von Finnen, Ungarn und Norwegern hinzuweisen.

1967 schlossen sich die Gem. Basel, St. Gallen, Zürich und Vaduz zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, der 1972 die Gründung des "Bundes evang.-luth. Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein" folgte. Zu diesem ca. 5'000 Mitglieder zählenden Bund, der seit 1979 Mitglied des Luth. Weltbundes ist, gehören mittlerweile auch die Gem. Berns und Genfs; ihm nahe stehend ist der 1967 gegr. "Martin-Luther-Bund in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein".

Die vereinsrechtlich organisierten luth. Kirchgemeinden, die sich dank der Unterstützung ausländ. Glaubensbrüder entwickeln konnten, sind gegenwärtig auf dem Weg zu einer multinationalen luth. Kirche. Im Zentrum steht die Feier des Gottesdienstes nach luth. Liturgie. Die Bindung an Schrift und Bekenntnis schliesst ökumen. Offenheit ein, wie an der Mitarbeit des Bundes in der "Arbeitsgemeinschaft christl. Kirchen in der Schweiz" (seit 1973) und seinem Beitritt zur europ.-evang. "Leuenberger Kirchengemeinschaft" (seit 1980) ersichtlich ist (Ökumene).


Literatur
– C. Wagner, Gesch. der Evang.-Luth. Kirche in der Schweiz, 1929
– E.T. Bachmann, M.B. Bachmann, Lutheran Churches in the World, 1989

Autorin/Autor: Hans Jürgen Luibl