Polit. Gem. SO, Bez. Wasseramt. Im Dreieck zwischen Aare, Emme und Bleichenberg/Birchi in unmittelbarer Nähe Solothurns gelegen. 1052 Zuchwile. 1850 435 Einw.; 1900 1'125; 1920 1'590; 1930 2'795; 1950 3'970; 1960 6'323; 1990 9'063.
Röm. Gutshof, Veteranensiedlung ausserhalb des vicus Salodurum, Trassee einer Römerstrasse. Der bedeutendste Einzelfund ist ein Urnenstein. Alemann. Besiedlung ("Hof des Tucho"). 1365 übernahm die Stadt Solothurn von den Gf. von Buchegg das Hochgericht und 1501 vom St. Ursenstift Twing und Bann. Bis zur Eingliederung in die Vogtei Kriegstetten Ende 15. Jh. gehörte Z. zum Burgernziel der Stadt. Das Stift behielt den Kirchensatz und die Betreuungsaufgaben bis zu seiner Aufhebung 1874. Danach Bildung einer selbstständigen Pfarrei. Seit 1581 Martinskirche im Siedlungszentrum (frühma. Vorgängerbau, seit 1817 mit Kosciuszko-Denkmal und Grab, Neubau 1956). Im 15. Jh. bestellte die Bauernsame ein Gericht zur Regelung örtl. Angelegenheiten. Zur Behebung des Wassermangels wurde am Ende des 16. Jh. durch ein Kanalsystem Emmenwasser abgeleitet, dessen Nutzen v.a. den wenigen begüterten Rechtsamenbesitzern und Grossbauern zugute kam. Mit der Industrialisierung setzten bedeutende Verschiebungen in der Beschäftigungsstruktur und der konfessionellen Zugehörigkeit ein. Die markantesten Bevölkerungszunahmen im 20. Jh. erfolgten mit dem 2. und 3. Industrialisierungsschub 1920-30 sowie 1950-60. Z. entwickelte sich zur grössten Agglomerationsgemeinde um Solothurn und zur viertgrössten Gemeinde des Kantons. Ursache für diese Entwicklung war der Umstand, dass Bauland in der benachbarten Stadt äusserst knapp, in der ebenen Fläche von Z. hingegen ausreichend vorhanden war. Z. verband sich baulich mit Solothurn. Da sich die Gemeindegrenze bis 250 m östlich des Solothurner Hauptbahnhofs heranschiebt, kamen fast sämtl. Industrien, die den Bahnanschluss suchten, auf Zuchwiler Boden zu liegen. 1917 siedelte sich die auf Elektrowerkzeuge spezialisierte Scintilla an, deren Aktienmehrheit 1954 von Bosch übernommen wurde. 1950 etablierte sich der Webmaschinenhersteller Sulzer (Winterthur), der mit Sulzer Textil in den 1990er Jahren der grösste private Arbeitgeber und Lehrbetrieb der Region Solothurn war (1991 2'400). Mit einem Anteil von 63% der Beschäftigten ist der industrielle Sektor nach wie vor dominierend, wobei die Exportabhängigkeit der beiden grössten Arbeitgeber die Zahl der Arbeitsplätze und die Firmenstrategie entscheidend beeinflussen. 2002 erhielt Z. über das neu eröffnete Autobahnteilstück Solothurn-Biel direkten Anschluss an die A5. Mit der Kehrichtbeseitigungsanlage (1976) und dem Sportzentrum (1974) liegen zwei Infrastrukturen von regionaler Bedeutung auf dem Gemeindegebiet von Z.
Literatur
– A. Tatarinoff-Eggenschwiler, «Zuchwiler Dorfgesch. von den Anfängen bis ins 20. Jh.», in Z. Spiegelbilder eines Wasserämter Dorfes 1, 1987, 7-57
Autorin/Autor: Urs Zurschmiede