13/11/2013 | Rückmeldung | PDF | drucken

Uetikon am See

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen. Die Gem. am oberen rechten Zürichseeufer umfasst die alten Siedlungen Kleindorf, Grossdorf, Langenbaum, Oberstmatt, Grüt, Rundirain und Weid. Um 1150 Uotinchova, bis 1977 Uetikon. 1634 382 Einw.; 1850 1'121; 1900 1'365; 1950 2'521; 1990 4'026; 2000 5'210.

Neolith. und spätbronzezeitl. Ufersiedlungen beim Landesteg neben der Chem. Fabrik. Die Gerichtsbarkeit übten bis 1287 die Frh. von Wädenswil, 1287-1549 die Johanniterkomturei Wädenswil und 1550-1798 der zürcher. Landvogt zu Wädenswil aus. Das Wädenswiler Hofrecht von 1409 galt auch für U. Wichtigster Grundbesitzer im MA war das Grossmünster Zürich. Bis 1682 gehörte U. kirchlich als fünfte Wacht zu Meilen. Die 1429 auf der Rütihalde (heute Kirchbüel) erbaute Kapelle wurde nach der Abtrennung von Meilen und der Bildung der Kirchgem. U. 1682 zur Pfarrkirche erweitert. Die Kollatur lag bis 1760 bei der Zürcher Fam. Lochmann (Besitzer des 1661 in U. erbauten Landguts Langenbaum), dann beim Zürcher Kl. Rat. Die Zehntrechte blieben bis zum Loskauf 1821 beim Kloster Einsiedeln. Eine eigene Schule ist 1650 bezeugt. Eine kath. Kapelle besteht seit 1967, die Kirche des Franziskus-Zentrums seit 2008. Der Rebbau bildete ab dem SpätMA eine wichtige wirtschaftl. Grundlage der bis ins 20. Jh. bäuerl. Gem., in der dörfl. Handwerk und Gewerbe, Fischerei und Schiffahrt, Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben wurde. 1879 entstand die Sennereigenossenschaft Kleindorf, 1899 die Käserei im Grossdorf. Die Rebfläche verringerte sich zwischen 1886 und 1974 von 81 auf 3 ha. Der 1899 gegründete Konsumverein fusionierte 1969 mit Coop Zürichsee/Oberland. Die 1818 von den Gebrüdern Schnorf gegründete Chemische Fabrik Uetikon ist das älteste noch betriebene Chemieunternehmen der Schweiz. 1924-2002 produzierte die Ernst Wirz AG im Kleindorf Lastwagen-Spezialaufbauten. Die Station an der rechtsufrigen Zürichseelinie (1894), Wasserversorgung (1898), Badanstalt (1899), elektr. Strassenbeleuchtung (1903) und Gasversorgung (1907) sowie die eigene Sekundarschule (Abtrennung von Männedorf 1908) und Gemeindebibliothek (1919) dokumentieren den Ausbau der dörfl. Infrastruktur. Wichtige soziale Einrichtungen sind das Pflegezentrum Haus Wäckerling (bis 2007 kant. Krankenheim der Wäckerlingstiftung von 1902) und dieStiftung Wohlfahrtshaus der Brüder Schnorf (1920).


Literatur
– P. Ziegler, U., 1983

Autorin/Autor: Peter Ziegler