07/06/2002 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Anthroposophie

Der Begriff A. (griech. "Weisheitslehre vom Menschen") findet sich u.a. bei lgnaz Paul Vital Troxler (1780-1866), Immanuel Hartmann Fichte (1796-1879) und beim Herbartianer Robert Zimmermann (1824-98). Rudolf Steiner (1861-1925) übernahm ihn und gab ihm die Deutung: "A. ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte" (Anthroposoph. Leitsätze, 1924-25). Von der naturwiss. Forschungsweise Goethes ausgehend, postulierte Steiner einen dem westl. Denken entsprechenden exakten Erkenntnisweg zum Übersinnlichen. Zunächst im Rahmen der dt. theosoph. Ges. wirkend, nahm Steiner ab 1905 seine öffentl. Vortragstätigkeit in der Schweiz auf. 1912 begründete er die Anthroposoph. Ges.; an der Jahreswende 1923/24 erfolgte die Neugründung als Internat. Allg. Anthroposoph. Ges. (1995 ca. 6'000 Mitglieder in der Schweiz). Der Schweizer Dichter Albert Steffen (1884-1963) wurde zweiter, nach Steiners Tod erster Vorsitzender. 1913 erfolgte in Dornach die Grundsteinlegung zum ersten Goetheanum. Dornach wurde in Kürze zum weltweiten Zentrum der anthroposoph. Aktivitäten. 1923 wurde die Freie Hochschule für Geisteswiss. begr., deren Ziel die "Förderung der Forschung auf geistigem Gebiet" ist. In der Silvesternacht 1922 fiel das erste Goetheanum einer Brandstiftung zum Opfer. Das nach einem Entwurf Steiners in organ. Bauweise erbaute zweite (heutige) Goetheanum wurde 1928 eröffnet. Zuerst zögernd (Basel 1926, Zürich 1927, Bern 1945), seit den 1970er Jahren jedoch rasch, breiteten sich die der anthroposoph. Pädagogik verpflichteten Rudolf-Steiner-Schulen (Waldorfschulen) in der Schweiz aus (2000 39 staatsunabh. Schulen mit eigenem Lehrplan). Daneben entstanden zahlreiche Kindergärten, heilpädagog. Einrichtungen, einzelne Lehrerbildungsanstalten und Altersinstitutionen. Die anthroposoph. orientierte Medizin betreibt in der Schweiz drei Kliniken. Die Weleda Arlesheim stellt (v.a. homöopath., mineral., phytotherapeut.) Heilmittel nach anthroposoph. Grundsätzen her. Weitere Tätigkeitsgebiete sind u.a. die Landwirtschaft (biolog.-dynam. Wirtschaftsweise) und das kirchl. Leben (Die Christengemeinschaft). Die anthroposoph. Studienarbeit wird von lokalen Arbeitsgruppen und in sog. Zweigen wahrgenommen.


Literatur
– A. Baumann, Wörterbuch der A., 1991

Autorin/Autor: Christian Bärtschi