Buddhismus

Durch verschiedene philosophische und theosoph. Strömungen wurde zu Beginn des 20. Jh. in der Schweiz das Interesse für den B. geweckt. Wie in ganz Europa stand der Theravada-B. (früher: B. des kleinen Fahrzeugs) im Vordergrund. Der aus Deutschland stammende Mönch Nyanatiloka gründete um 1910/11 in Lausanne das erste bescheidene Zentrum. In den 1920er und 30er Jahren entstanden mehrere Gruppen in den Regionen Zürich und Lausanne. Die 1942 gegr. Buddhist. Gemeinschaft Zürich veröffentlichte während vieler Jahre die Zeitschrift "Die Einsicht, (Schweiz.) Zeitschrift für Buddhismus", die auch im Ausland Verbreitung fand. In der Westschweiz bildete sich eine buddhist. Gruppe in den 1970er Jahren in Lausanne um Georges Bex, einen in Thailand ordinierten Mönch, der sich aber entschlossen hatte, wieder agarika, d.h. buddhist. Laie, zu werden, da er die monast. Organisationsform den in Europa herrschenden Verhältnissen wenig angemessen fand. In zahlreichen vervielfältigten Veröffentlichungen und im 1988 erschienenen Buch "La Sagesse, Guide pour un bon usage des religions" bemühte sich Bex, einen spezifisch europäischen B. zu entwickeln. Nach seinem Tod 1995 nahm die Gruppe den Namen Réseau bouddhiste romand an. In der Zwischenzeit waren in der Schweiz weitere buddhist. Schulen heimisch geworden, wie diejenige des Reinen Landes; auf den Amida-Buddha ausgerichtete Gruppen formten sich so in Genf und Yverdon. Dem Bedürfnis nach einem Dachverband der verschiedenen buddhist. Vereinigungen entsprang 1978 die Gründung der Schweizerischen Buddhist. Union. Durch die Flucht und Zuwanderung von Buddhisten aus asiatischen Ländern, vorwiegend von Tibetern, Vietnamesen, Kambodschanern und Thailändern, und durch das wachsende Interesse von Schweizern entstanden neue Zentren und Begegnungsstätten für Buddhisten praktisch aller Richtungen dieser an Varianten reichen Religion. 1995 verzeichnete die Schweiz. Buddhist. Union 87 Zentren, darunter die beiden tibet. Klöster Mont-Pèlerin (Gem. Chardonne) und Rikon (Gem. Zell, ZH), das Kloster Dhammapala in Kandersteg und das 1996 eröffnete grosse thaibuddhist. Zentrum in Gretzenbach (Tempel 2003 eingeweiht).


Literatur
Diversité religieuse de la Suisse, 1981, 44-66
– J.-F. Mayer, Les nouvelles voies spirituelles, 1993, 181-188
– O. Eggenberger, Die Kirchen, Sondergruppen und religiösen Vereinigungen, 61994
– M. Baumann, «Gesch. und Gegenwart des B. in der Schweiz», in Zs.f. Missionswiss. und Religionswiss., 1998, 255-280

Autorin/Autor: Carl-A. Keller / GG