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Luterbach

Polit. Gem. SO, Bez. Wasseramt. Südöstlich des Zusammenflusses von Aare und Emme gelegen. Wegen ständiger Überschwemmungsgefahr (flache Topografie) und Änderungen des Wasserlaufs der Emme entstand die Siedlung ca. 1 km von den Flüssen entfernt. Verkehrsungunst durch die Winkellage zwischen Aare und Emme. 1052 lutere Bach (unsicher), 1319 ville Luterbach. 1850 447 Einw.; 1900 1'050; 1950 2'221; 2000 3'112.

Röm. Ziegelfunde in der Nähe des Wilihofs. Erste Siedlung um eine Mühle am Dorfbach; der nördlich gelegene Wilihof wird 1457 erstmals erwähnt. Twing und Bann gelangten 1356 vom St. Ursenstift an die Stadt Solothurn. Die hohe Gerichtsbarkeit gehörte im HochMA den Gf. von Buchegg und Kyburg, war 1406-1516 bei Bern und kam dann an Solothurn. L. bildete zusammen mit Zuchwil eine Pfarrei, löste sich 1724 ab und wurde selbstständig. 1787 Bau der ersten Kirche (anstelle einer 1703 erbauten Kapelle). Die Bewohner von L. waren ständig mit Wasserwehrungen beschäftigt. Im Bauerndorf mit Ackerbau und Wässermatten entsprachen im Ancien Régime die 18 Hofstätten den 18 Rechtsamenbesitzern. Wirtschaftl. Zentrum des Siedlungsgebietes war die Mühle am Intere Bach. An der Emme gab es vorerst nur bescheidene Gewerbe (Hammerschmiede). Die Industrialisierung erfolgte 1876-77 mit der Emmenkorrektion und der 1872-74 gegr. Kammgarnspinnerei und -weberei an der Grenze zu Derendingen. 1876 wurde die Gem. mit einer eigenen Station an die Gäubahn angeschlossen. Nördlich des Güterumschlagplatzes entstanden Holzlager und Schälanlage der Zellulosefabrik Attisholz (1881 gegr.), mit der L. seit 1889 durch eine Brücke verbunden ist. Markante Veränderungen in der Erwerbsstruktur setzten ein: 1860 59% im 1., 38% im 2. und 3% im 3. Sektor, 2000 2,4%, 65,8%, 31,8%. Wegen starker Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Bernbiet stieg der Anteil der Protestanten von 8% (1860) auf 46% (1960).


Literatur
– W. Herzog, Gesch. des Dorfes L., 1959

Autorin/Autor: Urs Zurschmiede