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Maderni [Maderno], Carlo

geboren 1555/56 Capolago,gestorben 31.1.1629 Rom, kath., von Capolago, ab 1588 Bürger von Rom. Sohn des Paolo und der Caterina Fontana. Neffe von Domenico Fontana. ∞ 1) um 1598 Elisabetta Mariottini, 2) 1603 Angela Calina, 3) 1621 Elisabetta Malucci. Um 1576 zog M. nach Rom, wo er bei seinen Onkeln Domenico und Giovanni Fontana arbeitete, zuerst wahrscheinlich als Stuckateur und Steinmetz, später als Architekt und Ingenieur. Mit ihnen stellte er 1586-89 die Obelisken auf dem Petersplatz, vor S. Maria Maggiore, S. Giovanni in Laterano und auf der Piazza del Popolo auf und beteiligte sich 1591 am Bau des Vatikanpalasts und an Wasserbauwerken. Obschon er in Rom wirkte, hielt er die Verbindungen zu seiner Heimat aufrecht: 1581 stiftete er die Familienkapelle in der Pfarrkirche Capolago.

Nachdem Fontana 1594 endgültig nach Neapel gezogen war, übernahm M. die Leitung von dessen Bauunternehmen und führte mehrere Werke zu Ende, die Francesco Capriani da Volterra unvollendet hinterlassen hatte (z.T. Aufträge des Kardinals Antonio Maria Salviati). Schon vor dem Tod des Architekten Giacomo della Porta (gestorben 1602) übernahm er mehrere von dessen Projekten, u.a. S. Giovanni dei Fiorentini (1608-21). Für den Kardinal Girolamo Rusticucci schuf er sein bekanntestes und innovativstes Werk: die Fassade von S. Susanna (1597-1603). Sie erinnert an den manierist. Stil der von della Porta entworfenen Chiesa del Gesù, kündet aber mit ihren vorspringenden Elementen und dem dadurch erzeugten Licht- und Schattenspiel schon den Barock an. Für die Fam. Aldobrandini beendete M. 1603-21 die Villa in Frascati (mit Wasserspiel) und 1606-ca. 1609 die Familienkapelle in S. Maria sopra Minerva.

Sein bedeutendstes Werk war die Vollendung des Petersdoms im Vatikan unter Paul V. Nach seiner Ernennung zum Architekten von St. Peter 1603 gewann er 1607 den Wettbewerb für den Neubau. Er liess die Reste der frühchristl. Basilika abreissen, errichtete 1607-25 die Fassade, änderte 1609-14 den Plan Michelangelos mit Zentralbau, indem er ein Langhaus einfügte, und baute 1615-16 den Beichtstuhl vor dem Hauptaltar. Nach seinen Plänen wurden 1608-ca.1612 auch S. Maria della Vittoria, 1611-14 die Kapelle Rivaldi in S. Maria della Pace und 1608-ca.1620 Schiff, Querhaus, Chor, Tambour und Kuppel von S. Andrea alla Valle gebaut. M. schuf auch Profanbauten: 1598-1617 die Paläste Mattei und ab 1628 Barberini (von Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini fertiggestellt, der in den letzten Jahren M.s Assistent war). Eine Reihe anderer röm. Paläste (1612-14 Borghese; 1622-24 Barberini ai Giubbonari; 1622-23 Ludovisi, heute Chigi-Odescalchi; v.a. 1620 Monte di Pietà) tragen ebenfalls seine Handschrift. M. war zudem ein erprobter Wasserbauingenieur und wurde deshalb 1610 zum Architekten des Tibers ernannt. Er zählte zu den führenden Römer Architekten des beginnenden 17. Jh. und bahnte in Anlehnung an Michelangelo, Jacopo Vignola und andere röm. Architekten mit einigen seiner Werke wie den Fassaden von S. Susanna und St. Peter, der Kuppel von S. Andrea alla Valle sowie den Palästen Mattei und Barberini der neuen Barockarchitektur den Weg.


Literatur
The Dictionary of Art 20, 1996, 43-46
– H. Hibbard, Carlo Maderno, hg. von A. Scotti Tosini, 2001, (mit Bibl.; engl. 1971)
DBI 67, 150-157

Autorin/Autor: Lara Calderari / PTO