Stäfa (Gemeinde)

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen, am rechten Zürichseeufer gelegen, die neben dem gleichnamigen Dorfkern die Ortsteile Ötikon, Oberhusen, Uelikon, Redlikon, Kehlhof und Uerikon umfasst. 972 Steveia. Ötikon 809 als Otinchova, Uerikon 965 als Urinchova erstmals erwähnt. 1799 3'376 Einw.; 1850 3'705; 1900 4'228; 1950 5'294; 1970 9'937; 2000 11'567. Eine neolith. Ufersiedlung kam beim Dampfschiffsteg Uerikon zum Vorschein; ausserdem wurden ein latènezeitl. Mädchengrab in Ober-Redlikon, kelt. Goldmünzen sowie röm. Gold- und Silbermünzen gefunden.

965 schenkte Ks. Otto I. dem Kloster Einsiedeln vormals säcking. Güter in Uerikon, zusammen mit der Ufenau und Pfäffikon sowie der Kirche Meilen; 972 bestätigte Mitkaiser Otto II. Einsiedeln diesen Besitz, darunter auch solchen in S. Die Hofleute von S., Gotteshausleute von Einsiedeln, treten ab dem 14. Jh. als rechtlich einheitl. Bevölkerungsgruppe auf. Daneben gab es auch freie Bauern. Die Eigenleute innerhalb der Grundherrschaft unterstanden dem Meier oder Ammann. Er wohnte im Kelnhof, wo er auch das grundherrl. Mai- und Herbstgericht hielt. Rechte und Pflichten der Gotteshausleute wurden 1330 und 1331 neben den Bestimmungen über die Gerichtsbarkeit schriftlich fixiert. Von ca. 1400 bis 1548 versahen Angehörige der Zürcher Fam. Wirz das Ammannamt. Sie wohnten in Uerikon, wo sie vermutlich am Standort der ma. Burg der Ritter von Uerikon neben einer älteren Kapelle 1492 den Burgstall und 1531-35 das Ritterhaus bauen liessen, die beide noch bestehen. Die Holzgenossen der drei Siedlungen Ötikon, Oberhausen und Uelikon schlossen sich 1477 zu einem Nutzungsverband zusammen, der sich 1509 "gmeind der dry dörfferen zue Stäfan" nannte. 1548 tritt zu deren Bezeichnung der Name Niedere Wacht auf (später auch Untere Wacht). Der Gem. gehörte bis zur Reformation die dann abgebrochene Kapelle mit Bad in der Wanne. In der Oberwacht oder Wacht S. bildete dagegen das Weiderecht die Grundlage der Genosssame, die 1529, 1600 und 1625 von Zürich die ersten Einzugsbriefe erhielt. Die beiden Wachten, als eine Gem. betrachtet, bildeten die Kirchgem. S. Die Reaktion der Obrigkeit auf das 1794 in der Lesegesellschaft S. verfasste Memorial löste den sog. Stäfnerhandel aus, der zu einer militär. Besetzung der Gem. führte. Am 19.11.1830 beschlossen in S. über 100 Bürger aus dem ganzen Kanton die Einberufung der unter dem Namen Ustertag bekannt gewordene Volksversammlung, die den Auftakt zur Zürcher Regeneration bildete.

Die der hl. Verena geweihte Kirche dürfte zwischen 930 und 958 durch Lösung aus dem damals noch säcking. Verband der Ufenau entstanden sein. Die Pfarrei umfasste nur das Gebiet von dem Dorf S., Kehlhof, Ötikon, Oberhausen und Uelikon. Uerikon war bis 1530 auf die Ufenau kirchgenössig. Mit anderen Besitzungen ging die Kirche ans Kloster Einsiedeln über, das bis 1824 die Kollatur ausübte. Dann kam diese durch Vertrag an die Zürcher Regierung, nachdem die Gem. schon 1816 den Zehnten von Einsiedeln losgekauft hatte. Die 1689 erneuerte Kirche wurde 1788 verlängert und erhielt 1835-37 einen neuen Turm. Die Weihe der kath. Kirche St. Verena erfolgte 1948, die Errichtung der Pfarrei 1949.

1636 wurde in Ötikon ein Wochenmarkt eingeführt und an der Haabe ein Kornhaus gebaut (1868 abgebrochen). Mittelpunkt des Ackerbaus war der Einsiedler Hof Redlikon. Bedeutender war der Weinbau, der seit dem 18. Jh. stark ausgeweitet wurde; noch zu Beginn des 21. Jh. war S. die Zürcher Gem. mit der grössten Rebfläche. Neben den landwirtschaftl. Betrieben, deren Zahl zurückgegangen war, zählte die Gem. einige gewerbl. und industrielle Unternehmen (Hörsysteme Phonak AG, Apparatebau). 1835 erhielt S. Anschluss an die Dampfschifffahrtslinie, 1894 an die Eisenbahn (Strecke Zürich-Rapperswil). 1891 wurde das Telefon, 1894 die Strassenbeleuchtung, 1897 die Elektrizitäts- und 1907 die Gasversorgung eingerichtet. Ältester Betrieb ist die Zürichsee Medien AG, welche bis 2010 die 1845 gegr. "Zürichsee-Zeitung" herausgab.


Literatur
– P. Kläui, H. Frey, S., 2 Bde., 1968-69

Autorin/Autor: Peter Ziegler