20/11/2014 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Oetwil am See

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen. Die Gem. liegt am Ausläufer des Pfannenstiels, vom Zürichsee abgewendet. Sie besteht aus dem Dorf O., den Weilern Etzikon, Gusch, Chrüzlen, Betpur und Willikon (984 Willringhova) sowie über 40 Höfen. 847 Uttinwilare. 1467 9 Haushalte; 1670 250 Einw.; 1772 725; 1850 1'158; 1900 942; 1950 1'222; 1970 3'068; 2000 4'375. Bis zum Alten Zürichkrieg war O. Teil der Herrschaft Grüningen und kam 1450 im Verband mit Esslingen und Hombrechtikon als ennere wacht zur Obervogtei Stäfa. Ab 1631 durfte O. ein eigenes Gemeindegut äufnen. 1700 teilten die drei Gem. der enneren wacht das bis dahin gemeinsame Gemeindegut untereinander auf. In der Helvetik kam O. zum Distrikt Grüningen, in der Mediation zum Bez. Uster und danach zum Oberamt bzw. Bez. Meilen. Im MA gehörte O. zur Pfarrei Egg, 1481 ist eine Filialkapelle St. Niklaus erwähnt. 1725 wurde die ref. Kirche gebaut, 1729 ein Ortspfarrer eingesetzt, 1735 die Kirchgemeinde geschaffen, seit 1776 mit eigenem Kirchengut. 1787 waren 166 Personen, d.h. etwa 23% der Bevölkerung, mit Baumwollspinnerei beschäftigt und 122 Webstühle für die feine Mousseline in Betrieb. Nach den ökonom. Tabellen von 1772 verteilte sich die Landnutzung auf 56% Äcker, 22% Wiesen, 2% Weiden und 19% Wald und 0,4% Reben. 1811 nahm in Gusch der spätere "Spinnerkönig" Heinrich Kunz seine Unternehmertätigkeit auf. 1859 gab es in O. sechs Baumwollspinnereien (u.a. Heinrich, Rudolf und Wilhelm Stauber, Heinrich Hess) sowie die Mattenmacherei Niederthal von Kaspar Kunz. 1903-50 wurde O. von der schmalspurigen Wetzikon-Meilen-Bahn und 1909-48 von derjenigen von O. nach Uster bedient. 1889 gründete Gottlieb Hinderer ein Pflegeheim für Geisteskranke (später Psychiatr. Klinik Schlössli). 1920 zeigte sich O. als bäuerl.-gewerbl. Gemeinde mit 45% der erwerbstätigen Wohnbevölkerung im 1. und 33% im 2. Sektor Beschäftigten. 2005 stellte der 2. Sektor 41%, der 3. bereits 55% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
Ortschronik O., [1985]
– U. Pfister, Die Zürcher Fabriques, 1992
– C. Renfer «Schopfgebäude», in Vom Grabhügel zur Ökosiedlung, hg. von R. Böhmer et al., 2007, 126 f.

Autorin/Autor: Martin Illi