Dada

D. ist eine ab 1915 in Zürich entstandene internationale literar.-künstler. Bewegung, die alle tradierten Kunst- und Ausdrucksformen ablehnte. Die dadaist. Geisteshaltung wurde von ihren Gründern umschrieben als ein "Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind".

1916 eröffnete der in die Schweiz eingereiste dt. Pazifist Hugo Ball gemeinsam mit seiner Gefährtin Emmy Hennings, dem Elsässer Hans Arp sowie den Rumänen Tristan Tzara und Marcel Janco die Zürcher Künstlerkneipe Voltaire, woraus sich das kulturkrit. und experimentierfreudige Cabaret Voltaire entwickelte. Auch Richard Huelsenbeck, Sophie Taeuber und Hans Richter gehörten zum engsten D.-Kreis, ausserdem wurden junge Künstler Zürichs zum Mitmachen eingeladen. Im gleichen Jahr wurde das Wort D. -- eine Vokabel mit internat. Strahlkraft -- in der Zürcher Anthologie "Cabaret Voltaire" publik. Die Dadaisten verstanden den 1. Weltkrieg als Bankrotterklärung einer in Politik, Kirche und Kultur verlogenen bürgerl. Gesellschaft. Sie nutzten die begrenzte Freiheit im Exil, um mit freiwilliger Torheit und Begeisterung für die Illusion einen Kontrapunkt gegen eine Welt zu setzen, "in der alles funktioniert, nur der Mensch selber nicht mehr". In provozierender Absicht poetisierten und hantierten die Dadaisten auf unkonventionelle und neue Weise, mit Anleihen beim Futurismus, beim Kubismus und bei der afrikan. Kunst. Mit dem Laut-, Simultan- und bruitistischen Gedicht, der Collage, dem Fotogramm, der Benutzung bisher nicht verwendeten Materials in der Kunst, dem abstrakten Tanz sowie Exkursen in die atonale Musik strebten sie die absolute Freiheit und Spontaneität ihrer künstler. Äusserungen an. Sie versuchten, jede Einvernahme der Kunst für irgendwelche Zwecke durch den Einsatz von Ironie, Humor und Klamauk zu verhindern. Die Zürcher D.-Bewegung dauerte bis 1919. Sie manifestierte sich vor einem kulturschaffenden und bürgerl. Publikum im Cabaret Voltaire (Febr. bis Juli 1916), in der Publikationsreihe "Collection Dada", der Galerie Dada (März bis Mai 1917) sowie den Zeitschriften "Dada" und "Der Zeltweg". Nach Kriegsende verliessen die Dadaisten Zürich. D. fand in Genf mit Walter Serner und Christian Schad eine kurze Fortsetzung und breitete sich -- von den Dadaisten immer wieder geschickt inszeniert -- über weite Teile der Welt aus, so in Berlin, Köln, Hannover, Paris, New York, Zagreb, Russland und Japan. Die D.-Bewegung inspirierte die moderne Kunst (Malerei, Literatur, Musik), insbesondere den Surrealismus.


Archive
– Kunsthaus Zürich, umfangreiche Slg. und Dok.
Literatur
– H. Bolliger et al., D. in Zürich, 1985, (mit Bibl.)
D. Zürich in Zeitungen, hg. von R. Sheppard, 1992
– R. Schrott, D. 15/25, 1992
D. total, hg. von K. Riha, J. Schäfer, 1994
– R. Meyer et al., D. global, 1994, (mit Bibl.)
– M. Ragozzino, «D.», in Art e dossier 90, 1994
– H. van den Berg, Avantgarde und Anarchismus: D. in Zürich und Berlin, 1999

Autorin/Autor: Raimund Meyer