Olsberg (Kloster)

Das ehem. Kloster Hortus Dei in O., ursprünglich im Gebiet der ehemaligen Berner Gemeinde Untersteckholz (Gemeinde Langenthal) gelegen, zählte zu den ältesten Zisterzienserinnenklöstern der Schweiz. 1234 verlieh Papst Gregor IX. dem Konvent das grosse Zisterzienserprivileg. Zwei Jahre später kaufte der Konvent von den Rittern Christoph und Heinrich von Auggen für 150 Mark Silber das Dörfchen O. und verlegte seinen Sitz dorthin. Innerhalb kurzer Zeit erwarb das Kloster einen erhebl. Grundbesitz sowie die einträgl. Patronatsrechte über die Magdener und Diegtener Kirchen. Die Klosterfrauen stammten v.a. aus dem regionalen Niederadel. Bis 1751 hatten die Äbte des Klosters Lützel das Paternitätsrecht inne, dann gelangte dieses an die Äbte von Salem, von denen es 1753 an das Kloster Tennenbach überging. Die Kastvogtei lag in den Händen der österr. Erzherzöge.

Der Brand, der 1427 das Kloster zerstörte, leitete dessen wirtschaftl. und moral. Zerfall ein. Der Bauernkrieg und die Reformation vollendeten diesen Prozess. Die Äbtissin Agnes Küffer und der grösste Teil des Konvents verliessen das Kloster, das 1535-58 verwaist war. Die auf Betreiben Ehzg. Ferdinands berufene Äbtissin Katharina von Hersberg (1558-86) sollte das Kloster wiederbeleben; aber die Vorschriften des tridentin. Konzils bezüglich des Verzichts auf persönl. Eigentum und der Einhaltung der Klausur wurden offenbar weder von ihr noch von ihren Nachfolgerinnen durchgesetzt. Auch wirtschaftlich gelang der Aufschwung nicht. Die Kosten für die Beseitigung der 1632-35 entstandenen Kriegsschäden, sinkende Einnahmen aus Zinsen und Zehnten, eine nachlässige Buchhaltung und ein luxuriöser Lebensstil der Konventfrauen verhinderten eine nachhaltige Verbesserung der finanziellen Situation.

1790 wandelte Joseph II. das Frauenkloster per Dekret in ein weltl. Damenstift um. 1806-35 unterhielt der Kt. Aargau ein Töchterinstitut in den Klostergebäuden, 1860-2000 die Staatl. Pestalozzistiftung O. eine Kindererziehungsanstalt. Seit 2000 wird das Schulheim Stift O. für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten vom Kt. Aargau geführt.


Literatur
HS III/3, 831-861
– M. Meier, Das Damenstift O. an der Wende vom 18. zum 19. Jh., 1993

Autorin/Autor: Diemuth Königs