Casa dei Pagani

C. oder Casa dei Cröisch wird eine Anzahl kleiner ma. Wehranlagen im Bleniotal genannt, die in Höhlen oder unter Balmen errichtet sind. Beide Benennungen und Varianten davon stehen auch für unbebaute Höhlen sowie für alte Bauten und Ruinen innerhalb und vereinzelt ausserhalb des Bleniotals. Die heute bekannten Wehranlagen liegen in den ehemaligen Gemeinden Aquila, Dongio (drei), Malvaglia, Marolta und Torre. Der Castello genannte Bau in der dem Bleniotal benachbarten ehemaligen Gemeinde Chiggiogna in der Leventina gehört nach seiner Lage und seinen baulichen Merkmalen mit zu dieser Gruppe. Alle Anlagen bis auf eine stehen in klarer räuml. Beziehung zu einer Siedlung. Sie sind schwer zugänglich und meist durch traversenartige Mauern zusätzlich geschützt. Abtritt, Feuerstelle und Kleinfunde belegen die Bewohnbarkeit. Neben dem erhaltenen, unregelmässigen Mörtelmauerwerk bestanden mehrere der Bauten teilweise aus Holz. Zahlreiche umstrittene Hypothesen zu Bewohnerschaft und Funktion der C. wie Signalposten, Refugien der letzten Heiden oder Stützpunkte der Sarazenen knüpften an ihrer Lage oder an ihrem Namen an. In voIkskundl. Hinsicht stehen die Bauten, mit der im Tal lebendigen Sagentradition der auf den C. lebenden Pagane, ähnlich den Grottes aux Fées im Wallis, in engem Bezug zur Vorstellung von mütterl. Mächten. Da die schriftl. Quellen schweigen, bleibt die Interpretation der archäolog. Funde und Befunde: Die Erbauung kann nach zwei nicht weiter abgesicherten C-14-Datierungen auf das 3.-7. (Malvaglia), bzw. 9.-11. Jh. (Dongio 1) zurückgehen. Nach gründl. Zerstörung wurde die C. von Malvaglia um ca. 1200 zwar entwehrt, aber wieder aufgebaut und diente bis ins 14. oder 15. Jh. wahrscheinlich Angehörigen der lokalen Führungsschicht als Wohnsitz.


Literatur
– W. Meyer, «Tessiner Grottenburgen», in Nachrichten des Schweiz. Burgenvereins 41, 1968, 258-263
– L. Högl, Burgen im Fels, 1986
– M. Bertoni, Le Case dei pagani, hg. von P. Schrembs, 1996

Autorin/Autor: Lukas Högl