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Obergösgen

Polit. Gem. SO, Bez. Gösgen. Dorf an der Aare mit dem Ortsteil Schachen. 1161 Gozequouon, 1308 Göskon superior. 1739 133 Einw.; 1798 203; 1850 366; 1900 428; 1950 924; 2000 1'941. Neolith. Siedlung im Stöckerwald, vier kelt. Grabhügel mit Graburnen und Gefässen (erforscht 1903). O. gehörte zum Besitz der Herren von Gösgen, deren Stammsitz vermutlich die im 10./11. Jh. zwischen Aare und Stegbach errichtete Mottenburg war. Diese besassen auch den Kirchensatz mit St. Dionys-Patrozinium. 1458 kam O. durch Kauf der Herrschaft Gösgen an Solothurn. Nach der Neuordnung des Kantons 1831 war O. Sitz des Oberamtmanns und des Gerichts. Zur frühen Pfarrei O. gehörte auch Winznau. Die heutige Kirche St. Regina Maria mit Turm von 1509 wurde 1954 geweiht. Die ref. Kirchgemeinde O. bildet mit Lostorf einen Pfarrkreis der Kirchgemeinde Schönenwerd und besitzt seit 1984 ein eigenes Pfarramt. 1580 bis zum Bauernkrieg wurde eine Aarefähre zwischen O. und Dulliken betrieben, die 1811 erneut eingerichtet und 1915 durch eine Holzbrücke ersetzt wurde. Bis Ende des 19. Jh. war der Ort auch Umschlagplatz der Flösser. 1808 gab es 48 Vollbauern, 57 Bauern im Nebenberuf, 5 Leinenweber. Ab Mitte des 19. Jh. fanden Kleinbauern und Taglöhner in der Band- und Schuhfabrik Bally in Schönenwerd und bei den Strumpffabrikanten in Olten Heimarbeit und Anstellung. 1913-17 entstand der Kanal des Kraftwerks Winznau-Niedergösgen, nach 1960 siedelten sich versch. Kleinbetriebe an. Seit 1973 ist O. Sitz des Oberstufen-Schulzentrums Mittelgösgen für die Gem. O., Winznau, Lostorf, Stüsslingen und Rohr (SO). Ab 1871 war das Dorf mit der Rösslipost, seit 1924 ist es durch einen Postautokurs mit Olten verbunden.


Literatur
– A. Furrer, «Die Grabhügel von O.», in ASA NF 6, 1904/05, 65-87
– A. Furrer, «Refugium mit Schloss Gösgen», in ASA NF 12, 1910
– H. Sigrist, «Der Kauf der Herrschaft Gösgen», in JbSolG 31, 1958, 5-20
– A. Schluchter, Das Gösgeramt im Ancien Régime, 1990
– T. Bitterli, «Burg O.», in Archäologie des Kt. Solothurn 7, 1991, 77-102

Autorin/Autor: Hans Brunner