No 1

Froment, Antoine

geboren 1509 Mens (Dauphiné), gestorben 6.11.1581 Genf. ∞ 1) 1533 Marie Dentière, 2) 1561 Marie Blanc. Schüler des Reformators Guillaume Farel, den er ab 1530 begleitete, als dieser in Neuenburg und im Berner Jura predigte. Dann wurde F. Pfarrer in Yvonand. Nach der Vertreibung Farels aus Genf 1532 trat F. an dessen Stelle und hielt am 1.1.1533 auf dem Molard-Platz eine öffentl. Predigt, die eine riesige Menschenmenge anzog. Als er Ende Jahr wieder in Genf war, trat er an einer Disputation gegen den Dominikaner Guy Furbity an. Nachdem 1535 die Messe in Genf abgeschafft worden war, liess sich F. in der Stadt nieder und predigte oft im Chablais, das von Bern erobert worden war. 1537 war er Pfarrer von Saint-Gervais in Genf, dann bis 1539 Diakon in Thonon und schliesslich Pfarrer in Massongy. 1541 verklagten ihn die Pastoren des Kapitels von Thonon beim Konsistorium in Bern, weil er neben seinem geistl. Amt Handelsgeschäfte betrieb, doch F. blieb bis 1549 im Amt. Wegen seiner Kritik an der Haltung Berns gegenüber dem Augsburger Interim, die ihm einen langen Prozess eingebracht hatte, wurde er abgesetzt; er zog sich 1552 nach Genf zurück. Auf Empfehlung von François Bonivard beauftragte ihn der Rat mit der Transkription der "Chroniques officielles de Genève", was ihm 1553 das Bürgerrecht eintrug. Zugleich wurde er als öffentl. Notar beglaubigt. F. verfasste auch ein persönliches Memoirenwerk, die "Actes et gestes merveilleux de la cité de Genève", deren Veröffentlichung die Behörden aber untersagten. Es erschien erst 1854. 1559 wurde F. in den Rat der Zweihundert gewählt, 1562 wegen Ehebruchs zu zehn Jahren Verbannung verurteilt, die er teilweise in Vevey verbrachte. Nach seiner Rückkehr nach Genf war er ab 1574 wieder als Notar tätig.


Werke
Chroniqueurs du XVIe siècle, hg. von M. Bossard, L. Junod, 1974
Literatur
– J. Vuy, Le réformateur F. et sa première femme, 1883
– H. Meylan, «Les fâcheuses conséquences d'un sermon ou pourquoi F. dut quitter le Chablais», in Silhouettes du XVIe siècle, 1943, 91-105
– Francillon, Littérature 1, 105

Autorin/Autor: Irena Backus / AA