04/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Niedergösgen

Polit. Gem. SO, Bez. Gösgen. Dorf an der Aare mit dem Dorfteil Mühledorf. 1294 Bözzach, 1308 Göskon inferior. 1739 265 Einw.; 1798 385; 1850 528; 1900 1'338; 1950 2'537; 2000 3'775. Röm. Villa mit Badeanlage, Münz- und Keramikfunde. Um 1230 entstand in N. die neue Burg ze Nidern Göskon der Freien von Gösgen. Dieser Name verdrängte die alte Bezeichnung Bözzach. N. gehörte dem Stift Schönenwerd, das die Habsburger als Kastvögte hatte. Diese belehnten damit ab Mitte des 13. Jh. die Freien von Gösgen. 1399 ging das Recht an die Falkensteiner. 1458 kam N. durch Kauf an Solothurn und wurde Sitz des Landvogts sowie Gerichtsort. Kirchlich gehörte N. zu Stüsslingen, ehe es 1838 selbstständige Pfarrei wurde. Die Schlosskapelle St. Anton, erstmals erw. 1580, wurde 1838 vergrössert und diente als Pfarrkirche. Bei der Vermögensausscheidung zwischen Römischkatholiken und Christkatholiken 1901 ging die Kirche an letztere. Die Römischkatholiken errichteten 1902-03 auf dem Gelände der ehem. Burg unter Einbezug des Bergfrieds als Glockenturm die heutige Kirche. Die ref. Kirchgemeinde N. bildet mit Stüsslingen und Rohr einen Pfarrkreis der Kirchgem. Schönenwerd. 1493 wird eine Fähre nach Schönenwerd erwähnt. 1864 entstand an ihrer Stelle eine Holzbrücke, die 1928 durch eine steinerne Brücke ersetzt wurde (1992 erneuert). 1808 waren zehn Strumpfweber und acht Leinenweber beschäftigt. Die Taglöhner fanden ab 1823 bei der Bandfabrik Bally in Schönenwerd Arbeit. In N. stand 1558-79 die erste Papiermühle im Kt. Solothurn, von der die Wasserzeichen bekannt sind. Ferner waren eine Getreidemühle, eine Bläue, eine Säge, eine Öle, eine Reibmühle, eine Knochenstampfe, eine Zementfabrik, eine Filzwarenfabrik, eine Zettelei und Tuffsteingruben in Betrieb. 1913-17 entstand das Flusskraftwerk Gösgen. Nach 1960 siedelten sich versch. Kleinbetriebe an. Seit 1961 besteht eine Busverbindung nach Olten.


Literatur
– P.A. Giger, Gesch. des Schlosses Gösgen, 1904
– H. Ebenhöch, «Gesch. der Papiermühle in N.», in JbSolG 23, 1950, 115-142
– O. von Däniken, Schönenwerd, 1974
– A. Schluchter, Das Gösgeramt im Ancien Régime, 1990
– B. Hodler, N., 2008

Autorin/Autor: Hans Brunner