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Niedererlinsbach

Ehem. polit. Gem. SO, Bez. Gösgen, seit 2006 mit Obererlinsbach Teil der neuen Gem. Erlinsbach (SO). Strassendorf westlich der aarg. Kantonsgrenze am Erzbach. 1173 Arnlesbah, 1276 ze [...] Nidern Ernlispach. 1739 394 Einw.; 1804 482; 1850 766; 1900 1'085; 1950 1'594; 2000 2'191. 1070 schenkte Gf. Rudolf von Rheinfelden den Dinghof Erlinsbach dem Kloster Einsiedeln, das diesen 1349 samt der niederen Gerichtsbarkeit dem Klarissenkloster Königsfelden verkaufte. Die hohe Gerichtsbarkeit übten die Habsburger aus, die damit die Herren von Kienberg und später die Küngsteiner belehnten. 1417-54 ging sie an Aarau, anschliessend an die Johanniter von Biberstein und an Thomas von Falkenstein, der sie 1458 an Solothurn verkaufte. In Erlinsbach tagte das buchsgauische Landgericht. Nach der Reformation und nach der Aufhebung des Klosters Königsfelden gelangte Bern in den Besitz des Dinghofes und des Kirchensatzes. Das führte zu ständigen Reibereien zwischen Solothurn und Bern, die erst mit dem Wynigervertrag 1665 endeten, als Bern auf die westlich des Erzbachs gelegenen Dörfer N. und Obererlinsbach verzichtete. 1472-1600 war N. Zollort für den Passverkehr über die Schafmatt. 1289 wird eine erste, 1466 eine zweite Kirche mit dem St.-Niklaus-Patrozinium erwähnt. Die heutige Kirche wurde 1871 erbaut. Zur Pfarrei Erlinsbach gehört auch Obererlinsbach. Ebenso umfasst die ref. Kirchgemeinde zugleich Obererlinsbach. Schon vor der Gemeindefusion führte N. seit 1989 mit Obererlinsbach und Erlinsbach (AG) ein Oberstufenschulhaus und seit 1990 ein Alters- und Pflegeheim. Im ehem. Bauerndorf, in dem zu Beginn des 21. Jh. wieder Rebbau betrieben wird, fanden ab dem 19. Jh. Kleinbauern und Taglöhner bei den Bally-Seiden- und Schuhfabriken Arbeit und stellten in Heimarbeit Kappen und Strümpfe her. Am Ende des 20. Jh. entwickelte sich im Süden des Dorfs ein kleines Gewerbegebiet. Dennoch arbeiteten 2005 vier Fünftel der Erwerbstätigen auswärts, v.a. in den Agglomerationen Aarau und Olten, mit denen N. durch Autobuskurse verbunden ist.


Literatur
– G. Boner, Erlinsbach, 1977

Autorin/Autor: Hans Brunner