01/03/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 2

Cordier, Mathurin

geboren 1479/80 Normandie, gestorben 8.9.1564 Genf. ∞ um 1545 Thomasse Pelé (Peleuz). C. war zunächst Priester in Rouen. Ab 1514 unterrichtete er an versch. Pariser Collèges Grammatik. 1523 gehörte Johannes Calvin im Collège de la Marche zu seinen Schülern. In dieser Zeit wurde C. vom Buchdrucker und Humanisten Robert Estienne in die evang. Lehre eingeführt. 1534 ging er von Paris nach Nevers, doch zwang ihn bald darauf die Unterdrückung der Evangelischen zur Flucht nach Bordeaux (1535-36). 1536 beriefen ihn Guillaume Farel und Calvin nach Genf ans Collège de Rive. Nachdem die beiden Reformatoren Genf verlassen hatten, zog C. 1539 nach Neuenburg, wo er sich bis 1545 um die Schulen kümmerte. Danach war er bis 1557 Rektor des Collège von Lausanne. 1559 kehrte er nach Genf zurück, unterrichtete wieder und starb wenige Monate nach Calvin. Zu seinen Publikationen gehören die "Principia latine loquendi scribendique" und seine berühmten "Colloquiorum scholasticorum libri quatuor ad pueros in sermone latine paulatim exercendos" (1564). Diese lehren nach dem Vorbild der Lehrgespräche eines Erasmus oder Louis Vivès Schritt für Schritt ein korrektes und elegantes Latein und erteilen zugleich moralische Lektionen. Die Kolloquien erfuhren zahlreiche Neuauflagen und waren in der Schweiz und ganz Europa bis zu Beginn des 19. Jh. in Gebrauch. C. schrieb auch viele Werke über das innere religiöse Leben, darunter die "Cantiques spirituels" (1557).


Literatur
– J. Le Coultre, Maturin C. et les origines de la pédagogie protestante dans les pays de langue française (1530-64), 1926
– E.K. Hudson, «The colloquies of Maturin C.», in Sixteenth Century Journal, 9, 1978, 57-78
– J.-C. Margolin, «La "Civilité puérile" selon Erasme et Mathurin C.», in Ragione e "civilitas", hg. von D. Bigalli, 1986, 19-45

Autorin/Autor: Max Engammare / MF