25/09/2014 | Rückmeldung | PDF | drucken

Männedorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen. In zahlreiche Gemeindeteile aufgegliedertes, industrialisiertes ehem. Rebbauern- und Fischerdorf am mittleren rechten Zürichseeufer. 933 Mannidorf. 1799 2'166 Einw.; 1850 2'382; 1900 2'902; 1950 4'396; 2000 8'348. Spuren von drei neolith. Uferdörfern und ein spätbronzezeitl. Fundplatz, ein noch unerforschter Grabhügel wohl aus der älteren Eisenzeit sowie alemann. Gräber und Spuren einer Kirche aus dem 8. Jh. auf dem Kirchhügel zeugen von einer frühen Besiedlung.

Die Grundherrschaft M. des Klosters Pfäfers beinhaltete die niedergelassenen Gotteshaus- oder Hofleute, die den Hl. Stephan und Lorenz geweihte Kirche (archäolog. Untersuchungen bezeugen eine rom. Kirche mit ummauertem Friedhof um 1200), Kirchensatz und Zehnten, Twing und Bann sowie ab 1116 die Kollatur. Die Verwaltung besorgte ein Meier, der bis um 1400 vom Abt den Meierhof am Südfuss des Kirchhügels zu Lehen trug. Im 15. Jh. wohnte der aus der Dorfschaft gewählte Klosterammann auf seinem eigenen Hof. 1494 verkaufte Pfäfers Besitz und Rechte in M. an das Kloster Einsiedeln, das hier schon ab dem 10. Jh. begütert war.

Die hohe Gerichtsbarkeit gehörte den Gf. von Rapperswil, dann denjenigen von Habsburg-Laufenburg. 1354 kam M. mit Burg und Herrschaft Rapperswil an Hzg. Albrecht II. von Österreich und wurde Teil der Herrschaft Grüningen. Deren Inhaber Hermann Gessler verpfändete 1405 Grüningen mit M. an die Stadt Zürich. Als Pfand nicht mehr ausgelöst, wurde M. eine Obervogtei im Stadtstaat Zürich. Die gebursami gemeinlich ze Menidorf taucht schon 1365 und 1376 als Verband auf, der nach Mehrheitsbeschluss handelte, wenn es um Holznutzung und Flurangelegenheiten ging. Der 1534 neu gefasste Hofrodel regelte das Verhältnis zum Kloster Einsiedeln. 1517 stellte Zürich den ersten Einzugsbrief aus.

M. vollzog 1524 die Reformation, kurz vorher hatte die Kirche einen neuen Turm sowie eine got. Verlängerung des Schiffs erhalten; die heutige Kirche stammt von 1657. Erst 1828 kam die Kollatur an Zürich. Ab 1874 betreute die kath. Pfarrei Horgen eine Filiale in M., 1882 folgte die Gründung einer eigenen Pfarrei und 1893-94 der Bau der kath. Kirche St. Stephan von August Hardegger.

Mit dem Bau der Gerberei Staub 1864, erhielt M. einen ersten Industriebetrieb. Später kamen die Firma Kuhn Orgelbau und weitere Unternehmen hinzu. 1958 zog die Feuermeldeanlagen produzierende Cerberus AG nach M., die 1998 vom dt. Konzern Siemens übernommen wurde und den Standort M. aufgab. 1894 erhielt M. Anschluss an die Eisenbahnlinie Zürich-Rapperswil (SG), 1903 an die 1950 aufgehobene Wetzikon (ZH)-Meilen-Bahn, 1950 an die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland. M. ist Standort des Schwerpunktspitals des rechten Zürichseeufers und des evang. Tagungs- und Studienzentrums Boldern.


Literatur
– P. Ziegler, M., 1975
– H.-R. Galliker, MänneDorfgesch., 3 Bde., 2005-07

Autorin/Autor: Peter Ziegler