19/04/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Dornach

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit Bildern illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. SO, Bez. Dorneck, im unteren Birstal, mit den Ortsteilen Dornachdorf (oder Oberdornach) und Dornachbrugg. Die beiden Siedlungen waren noch im letzten Viertel des 19. Jh. deutlich getrennt. 1223 de Tornacho, 1307 zu Dornach. 1739 467 Einw.; 1798 537; 1850 840; 1900 1'543; 1910 2'097; 1950 3'572; 1970 5'258; 2000 5'886.

Zahlreich sind Einzelfunde aus dem Neolithikum (Silex, Steinbeile) und aus röm. Zeit (Münzen, Ziegel, Keramik). Der röm. Gutshof an der Oberdornacher Hauptstrasse wurde anhand von Keramikfunden in das 2./3. Jh. datiert. Zwei 1991 freigelegte Grubenhäuser waren im 8./9. bzw. 10.-12. Jh. bewohnt. Das Dorf D. teilte im SpätMA die Geschicke der Adelsherrschaft Dorneck. 1485 kamen die Burg Dorneck und die Hälfte des Dorfes D. durch Verkauf an Solothurn, das 1502 mit dem Kauf der thierstein. Rechte die volle Landeshoheit erlangte. Im Ancien Régime bildete D. einen Gerichtsbez. mit Dornachbrugg, Hochwald und Gempen. Das Mauritius-Patrozinium der 1301 erstmals erw. Kirche deutet auf eine frühe Gründung (7. Jh.) hin. 1529 entschieden sich die Einwohner von D. für die Reformation, wurden aber 1534 vollständig rekatholisiert. 1637 lassen sich in den Quellen erstmals Juden in der Vogtei Dorneck fassen, die sich jedoch nur vorübergehend hier aufhielten. Von 1657 bis zu ihrer Vertreibung 1736 lebten in D. stets Juden als Domizilianten. 1692 umfasste die jüd. Siedlung 49 Personen. Die Juden betrieben Handel mit Vieh, Häuten und Geld, evtl. auch mit Fleisch und anderen Waren. Die 1736 vertriebenen neun Familien liessen sich im Sundgau und in Südbaden nieder.

Bis ins 19. Jh. war die Landwirtschaft im Dreizelgensystem der primäre Erwerbszweig; daneben wurde dörfl. Handwerk betrieben. Über die Bedeutung der (textilen) Heimarbeit lassen sich keine Aussagen machen. Eine wichtige Rolle spielte bis um 1900 der Rebbau. Heute wird v.a. Obstbau betrieben. 1875 erhielt D. Anschluss an die Bahnlinie Basel-Delsberg. Der Eisenbahnbau verhalf der industriellen Entwicklung im Birstal zum Durchbruch. Den Bahnbau und die Besiedlung der Flussauen (Standort der 1895 gegr. Metallwerke AG) überhaupt erst ermöglicht hatte die Korrektur der Birs (1865-75) unterhalb von Dornachbrugg. Die Metallwerke AG, die die expandierende Uhrenindustrie mit Messing-Halbfabrikaten belieferte, verbesserte die Beschäftigungsmöglichkeiten in D. bedeutend. Der Betrieb war, später unter dem Namen Swissmetall D., bis ins ausgehende 20. Jh. der grösste Arbeitgeber der Gem. Die Baustoffindustrie (Steinbrüche) konnte sich dagegen im frühen 20. Jh. nur vorübergehend halten. Die Elektrifizierung D.s erfolgte 1898 durch die Elektra Birseck. Die 1902 erbaute Tramlinie Basel-Dornachbrugg schuf dem Pendlerverkehr weitere Möglichkeiten. Aufgrund der Arbeitsplätze im 2. Sektor war die Pendlerbilanz in D. bis 1960 positiv. Mit der Industrialisierung ging eine bedeutende Zuwanderung einher. Diese führte auch dazu, dass die Zahl der Protestanten zunahm, weshalb seit 1952 wieder eine ref. Kirchgem. besteht. Seit 1913 ist D. Sitz der Allg. Anthroposoph. Gesellschaft (Anthroposophie). Das erste Goetheanum (erbaut 1913-20) fiel in der Silvesternacht 1922/23 einem Brand zum Opfer; 1924-28 entstand das heute bestehende Gebäude als Pionierwerk des Sichtbetonbaus. In der St.-Mauritius-Kirche befindet sich seit 1949 das Heimatmuseum Schwarzbubenland. Nicht nur als Bezirkshauptort, sondern auch als Standort des Bezirksspitals (1918 gegr. als Stiftung der Metallwerke AG und des Kt. Solothurn) und der Bezirksschule (1913 eröffnet) verfügt D. über zentralörtl. Bedeutung.


Literatur
– H. Eisenhut, D., 1988
– A.C. Fridrich, «Juden in D.», in JbSolG 69, 1996, 7-40
– R.M. Kully, Solothurn. Ortsnamen, 2003, 253-258

Autorin/Autor: Anna C. Fridrich