Universität Bern

Nach der Niederlage des patriz. Regimes schuf die neue liberale Regierung von Bern 1834 eine Hochschule nach dt. Vorbild. Die U. umfasste eine philosoph., medizin., jurist. und theol. Fakultät und fusste auf der Akademie, die 1805 aus der 1528 als Fakultät der freien Künste und der Theologie gegr. Hohen Schule hervorgegangen war. Mit der Gründung strebten die Liberalen eine Ausbildungsstätte für eine loyal gesinnte Beamtenschaft an. 35 Dozenten, bestehend aus je 17 Deutschen und Schweizern sowie einem Franzosen, nahmen sich der rund 170 Studenten an, die fast ausnahmslos aus der Schweiz stammten. 1874 kam die christkath.-theol. Fakultät, 1900 die veterinärmedizin. Fakultät hinzu. 1885 zählte die U. gut 500, um 1900 rund 1'000 Studierende, wobei v.a. Ausländer für das rasche Anwachsen verantwortlich waren. Die ersten Frauen an der U. stammten denn auch aus Russland und begründeten um 1870 das Frauenstudium. Die 1909 zur ao. Prof. für Philosophie und Ästhetik ernannte Anna Tumarkin war als erste Professorin Europas berechtigt, Doktorierende und Habilitierende zu prüfen und im Senat Einsitz zu nehmen. Im selben Jahr erhielt Theodor Kocher, Ordinarius für Chirurgie, den Nobelpreis für Medizin. Ein Jahr zuvor hatte Albert Einstein die Lehrbefugnis für theoret. Physik erhalten. 1903 entstand das repräsentative Hauptgebäude auf der Grossen Schanze. 1912 erhielten die Wirtschaftswissenschaften eine eigene Abteilung innerhalb der jurist. Fakultät, die sich ab 1954 rechts- und wirtschaftswissenschaftl. Fakultät nannte. 1921 vollzog die philosoph. Fakultät die Trennung in eine geistes- und eine naturwissenschaftl. Fakultät.

Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs verlor die U. den Grossteil ihrer ausländ. Studenten. 1930 zählte sie 1'297 Studierende. Aufgrund seiner polit. Ansichten musste Gonzague de Reynold, Prof. für franz. Literatur, 1931 zurücktreten. In den 1930er Jahren wurden einige dt. Professoren, die mit dem Nationalsozialismus sympathisierten, entlassen, u.a. Walter Porzig, der 1935 seinen Berner Lehrstuhl mit jenem von Albert Debrunner in Jena tauschte. Während des 2. Weltkriegs führte die U. einen reduzierten Betrieb.

Das neue Universitätsgesetz von 1954 brachte keine Neuerungen. Ab 1958 stiegen die Studentenzahlen stetig, weitere Räumlichkeiten wurden benötigt und neue Institutionen geschaffen, u.a. 1970 das Centre de formation du brevet secondaire. Gleichzeitig forderten die Studierenden im Zug der Achtundsechziger-Bewegung bildungspolit. Reformen. Doch weder die Reorganisationspläne der 1969 von der Regierung eingesetzten Expertenkommission noch der Verwaltungsentwurf von 1974 wurden realisiert. Eine von student. Seite eingereichte Volksinitiative scheiterte 1982, ebenso im selben Jahr eine Teilrevision des Universitätsgesetzes. Erst 1989 - zu diesem Zeitpunkt unterrichteten rund 330 Professoren über 5'000 Studierende - trat ein neues, minimal revidiertes Gesetz in Kraft. 1996 wurde die U. dank einer weiteren Gesetzesrevision in eine autonome Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit überführt. Die Zusammenarbeit und der Austausch unter den Schweizer Universitäten wurde vereinfacht. Auf der Basis der Bologna-Reform von 1999 folgten die Anpassungen an den europ. Hochschulraum. 2001 fusionierte die christkath. mit der evang.-theol. Fakultät, während sich die wirtschafts- und sozialwissenschaftl. Fakultät von der rechtswissenschaftl. Fakultät trennte. 2005 wurde die philosoph.-humanwissenschaftl. Fakultät, 2006 die Vetsuisse, eine gemeinsame veterinärmedizin. Fakultät der Univ. Bern und Zürich, geschaffen. Mit dem Ausbau der Universität ging im Länggassquartier eine rege Bautätigkeit einher: 1993 wurde die Unitobler in der ehem. Schokoladenfabrik Tobler, 2005 die UniS auf dem Areal des alten Frauenspitals bezogen. 2007 übernahm die U. das Gelände der Maschinenfabrik von Roll. 2009 feierten die acht Fakultäten der U. mit über 14'000 Studierenden (53% Frauen, 12% Ausländer) und 350 Professoren (17% Frauen, 45% Ausländer) ihr 175-Jahr-Jubiläum.


Literatur
Die Dozenten der bern. Hochschule, 1984
Hochschulgesch. Berns 1528-1984, 1984

Autorin/Autor: Redaktion