Universität Basel

Die U. wurde 1460 gegründet und ist somit die älteste Universität der Schweiz. Ihre Gründung ging auf das Konzil von Basel zurück, das zwischen 1432 und 1448 bereits eine Konzil- und Kurienuniversität geführt hatte. Die Gründungsbulle vom Nov. 1459 stellte Papst Pius II. aus, der als Enea Silvio Piccolomini am Konzil teilgenommen hatte. Die U. gehört mit denjenigen von Freiburg i.Br., Greifswald und Ingolstadt zu einer Gründungswelle, die 1456-77 v.a. den süddt. Raum erfasste. Mit der Schaffung und finanziellen Ausstattung der Hohen Schule stärkte die Stadt Basel ihre Stellung am Oberrhein und erhoffte sich wirtschaftl. Vorteile.

Gemäss dem klass. Organisationsmodell von Paris verfügte die U. über eine theol., jurist., medizin. und eine Artisten-Fakultät. Nach mehrjährigem Richtungsstreit innerhalb der Artisten-Fakultät geriet sie wegen sinkender Studentenzahlen Ende des 15. Jh. in eine Existenzkrise. 1504 wurde sie auf eine finanziell bescheidenere Grundlage gestellt, aber weitergeführt. Auf dem Höhepunkt der reformator. Unruhen verliessen 1529 mehrere altgläubige Professoren und Studenten die Stadt und zogen nach Freiburg i.Br. 1529-32 war die U. vom Rat suspendiert. Doch entgegen der älteren Auffassung scheint der Betrieb nie vollständig eingestellt worden zu sein. So führte Oswald Bär 1531 die erste öffentl. Sektion an der medizin. Fakultät durch. Mit der offiziellen "Wiedereröffnung" 1532 erhielt die U. vom Rat neue Statuten, die ihre bisherige rechtl. Selbstständigkeit einschränkten und im Wesentlichen bis 1818 galten. In den folgenden Jahrzehnten erholte sich die U. und kam zu europ. Ansehen, etwa dank der Basler Anatomie um Felix Platter (1536-1614) und Caspar Bauhin. Der Niedergang setzte in der 1. Hälfte des 17. Jh. ein. Durch protektionist. Berufungen innerhalb der Gelehrtenfamilien und Ehen der Professorenschaft mit der Basler Führungsschicht wandelte sich die U. im 18. Jh. in eine eigentl. Familienuniversität. Trotzdem erlangten Mitglieder der Fam. Bernoulli und Euler als Wissenschafter europ. Geltung.

In der Helvetik wurde die U. dem Erziehungsrat unterstellt. Das Universitätsgesetz von 1818 bestätigte die kant. Hoheit, und die U. verlor ihre letzten Privilegien. In den 1820er Jahren flüchtete eine Reihe von dt. Professoren nach Basel. Die Vermögensteilung 1833 im Nachgang der Kantonsteilung stürzte die U. in eine tiefe Krise. Diese Notlage führte 1835 zur Gründung einer Hilfsgesellschaft, der Freiwilligen Akadem. Gesellschaft. Um die Mitte des 19. Jh. sorgten die Idee, Basel als schweiz. Zentraluniversität zu lancieren, und das Projekt, anstelle der Universität eine Gewerbeschule einzurichten, vorübergehend für Unruhe. Dank des Aufschwungs der Naturwissenschaften steigerte die U. ihr Ansehen bei der städt. Trägerschaft und gewann auch international an Renommee. Anlässlich der Jubiläen von 1860 und 1910 strich die U., die eine kleine Hochschule blieb und um 1900 etwa 500 Studierende zählte, ihr ehrwürdiges Alter hervor.

Aus der Artisten-Fakultät ging 1818 die philosoph. Fakultät hervor. Bereits 1866 gliederte sie sich in eine philosoph.-hist. und eine mathemat.-naturwissenschaftl. Abteilung; erst 1937 kam es dann zur Trennung in die philosoph.-hist. und die philosoph.-naturwissenschaftl. Fakultät. 1997 folgte die Schaffung der wirtschaftswissenschaftl. Fakultät und 2003 der Fakultät für Psychologie. 1890 wurde das Frauenstudium eingeführt.

Nach 1933 emigrierten angesehene Akademiker aus Deutschland nach Basel, aber auch einige Schweizer Professoren kehrten zurück in die Heimat, u.a. 1933 der Rechtsprofessor Arthur Baumgarten, 1935 der Theologe Karl Barth, 1937 der Theologe Fritz Lieb, 1948 der Philosoph Karl Jaspers sowie 1952 der Chirurg Rudolf Nissen. Nach dem 2. Weltkrieg expandierte die U.: Zählte die U. 1946 erstmals mehr als 2'000 Immatrikulierte, überschritt sie 1963 die 3'000er, 1974 die 5'000er und 1981 die 6'000er Schwelle. In den 1980er Jahren verschlechterten sich die Bedingungen für Forschung und Lehre angesichts der prekären Kantonsfinanzen und fehlender organisator. Reformen. Der Kt. Basel-Landschaft, der ab 1976 substanzielle Beiträge zur Finanzierung der U. beigesteuert hatte, erklärte sich bereit, sich paritätisch an den Kosten zu beteiligen, verlangte aber zeitgemässe Strukturen. Das Universitätsgesetz von 1996 brachte in organisator. und finanzieller Hinsicht den Status der Autonomie. Es brachte das Globalbudget und gründete auf einem Leistungsauftrag. 2007 stimmte eine grosse Mehrheit im Kt. Basel-Landschaft der parität. Trägerschaft zu.

Die durch die student. Nachfrage bestimmte Entwicklung der Fächer führte von der 2. Hälfte des 20. Jh. an zur Aufwertung und Einführung neuer Disziplinen wie der Mikrobiologie in den 1970er Jahren, der Umweltwissenschaften nach der Chemiekatastrophe von Schweizerhalle 1986, der seit 2001 angebotenen Medienwissenschaften oder der 2002 als Fach eingeführten Gender-Studies. Aufgrund mangelnder Nachfrage wurde 1982 die Indogermanistik, 2008 die Astronomie aufgegeben.

Die U. beteiligt sich am Modell Hochschule Schweiz, das zwischen allg. Angeboten an allen Universitäten und regionalen Schwerpunkten unterscheidet. Ihre Kooperation erstreckt sich, ihrer grenznahen Lage entsprechend, auch auf das benachbarte Ausland in Deutschland und weit weniger auf Frankreich. Seit 1989 bestehen mit dem Oberrhein. Universitätsverbund Eucor verbindl. Austauschmöglichkeiten zwischen fünf Universitäten in der Region Oberrhein. Das 1999 im Rahmen der Europ. Union beschlossene Bologna-Studiensystem wurde ab 2000 schrittweise umgesetzt. 2010 zählte die U. rund 12'000 Studierende und 1'400 Lehrpersonen (davon 19% Ordinarien und vollamtl. Extraordinarien) bei einem Gesamtbudget von ca. 550 Mio. Fr.


Quellen
Matrikel Basel, 5 Bde., 1951-80
Literatur
– E. Bonjour, Die U. von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1460-1960, 1960 (21971)
– G. Kreis, Die U. 1960-1985, 1986
– A. Berchtold, Bâle et l'Europe, 2 Bde., 1990
Uni nova 114, 2010 (Themenh.: 550 Jahre U.)
– M. König, In eigener Sache: die U. unterwegs zu Autonomie und neuer Trägerschaft 1985-2010, 2010
– G. Kreis, 550 Years of the University of Basel, 2010
– G. Kreis, Orte des Wissens: Die Entwicklung der U. entlang ihrer Bauten, 2010

Autorin/Autor: Georg Kreis